Abwehr-Noten in der Bundesliga

Saison-Analyse der BVB-Abwehr überrascht: Mats Hummels nicht der beste Verteidiger

Kein BVB-Verteidiger konnte in der vergangenen Bundesliga-Saison durchgehend überzeugen. Das spiegelt sich in den Noten für die Dortmunder Abwehr wider.

Dortmund - Borussia Dortmund hat die Saison 2020/2021 zu einem erfolgreichen Ende gebracht. Im Schlussspurt sicherte sich die Mannschaft von Edin Terzic noch den DFB-Pokal und den Einzug in die Champions League.

VereinBorussia Dortmund (BVB)
Gegründet19. Dezember 1909
StadionSignal Iduna Park
TrainerEdin Terzic

BVB-Abwehr: Mats Hummels nicht bester Verteidiger - Auswertung der Noten überrascht

Über weite Strecken der Saison war ein positiver Saisonabschluss keineswegs gesichert. Denn besonders defensiv präsentierte sich der BVB häufig zu anfällig. 46 Gegentreffer bei 34 Auftritten sind nur der sechstbeste Wert in der Bundesliga.

Im ersten Teil unserer großen BVB-Analyse stellte sich heraus: Die Torhüter des BVB bekamen in der Saison-Auswertung ähnliche Noten. Marwin Hitz kam im Schnitt aller Bewertungen auf die Note 3,1. Roman Bürki steigerte sich dank eines starken Saison-Finales noch auf einen Schnitt von 3,2.

BVB-Abwehr: Felix Passlack ist Verteidiger mit bestem Notenschnitt - nur vier Spiele bewertet

RUHR24 hat die Noten von jeder BVB-Einzelkritik der vergangenen Bundesliga-Saison analysiert. Für die Verteidiger von Borussia Dortmund ergibt sich ein auf den ersten Blick überraschendes Ergebnis.

Felix Passlack: Die junge Allzweckwaffe kommt etwas überraschend auf den besten Notenschnitt aller BVB-Verteidiger. Verletzungsprobleme zu Beginn der Saison spülten ihn unverhofft in die vorderste Reihe. Felix Passlack pendelte meist zwischen Abwehr und Mittelfeld und überzeugte durch Einsatzbereitschaft und Kampfgeist.

BVB-Verteidiger Felix Passlack hat seinen Vertrag kürzlich bis 2023 verlängert.

Seinen ersten Bundesliga-Treffer feierte er am 3. Spieltag beim 4:0-Sieg gegen den SC Freiburg. Von ihm kommen allerdings nur vier Spiele in die Wertung, dreimal kam er zu kurz für eine Benotung zum Einsatz*. Unter dem neuen Trainer Edin Terzic spielte der gebürtige Bottroper kaum noch eine Rolle im Profi-Kader. Immerhin: Seine Vielseitigkeit brachte Felix Passlack kürzlich eine Vertragsverlängerung bis 2023 ein. Durchschnittsnote: 2,9

BVB-Abwehr: Lukasz Piszczek liefert zum Karriere-Ausklang grundsolide Arbeit ab

Lukasz Piszczek: Lange Zeit war der Routinier in seiner letzten Bundesliga-Saison außen vor. Bis zum 4:1-Sieg gegen Werder Bremen am 29. Spieltag spielte er nie länger als 20 Minuten. Fortan war Lukasz Piszczek im Saison-Endspurt gesetzt. Er gab der Mannschaft, was weder Thomas Meunier noch Mateu Morey zuvor auf der rechten Seite gelungen war.

Mit seiner Erfahrung brachte er Stabilität in die zuvor meist wackelige BVB-Abwehr. Sein großer Bonus: Lukasz Piszczek kann das Spiel lesen, trifft intuitiv die richtigen Entscheidungen. Und er macht kaum Fehler. Bei jedem seiner fünf bewerteten Spiele pendelte Lukasz Piszczek zwischen Note 2,5 und 3,5. Grundsolide einfach. Kein Wunder, dass Borussia Dortmund alle elf Spiele mit seiner Beteiligung gewann. Durchschnittsnote: 3

BVB-Verteidiger Mats Hummels: Auch der Abwehr-Chef hat Höhen und Tiefen

Mats Hummels: Der unumstrittene Abwehrchef kommt auf 33 bewertete Bundesliga-Partien. Anfangs führte er den BVB sogar als Kapitän aufs Feld. In dieser Phase rief Mats Hummels seine stärksten Leistungen ab. Er organisierte seine Nebenleute umsichtig und schaltete sich immer wieder mit seinen gefürchteten langen Bällen in die Offensive ein. Am 5. Spieltag verdiente er sich beim 3:0-Derbysieg gegen Schalke die Bestnote, eine Woche später beim 2:0-Erfolg gegen Arminia Bielefeld ebenfalls.

Anzukreiden ist dem erfahrenen Verteidiger, dass es ihm nicht gelang, die Mannschaft in schwierigen Saisonphasen aus ihrem Tief zu holen. Stattdessen reihte er sich nahtlos in den fehlerhaften Defensivverbund ein. Wirkte zwischenzeitlich klar überspielt und hatte mit muskulären Wehwehchen zu kämpfen. Rechtzeitig zum Saisonfinale steigerte aber auch er sich wieder. Durchschnittsnote: 3,3

BVB-Abwehr: Emre Can hilft als Allrounder aus - Anführer hat auch Aussetzer

Emre Can: Zu Beginn der Saison spielte Borussia Dortmund unter Trainer Lucien Favre noch häufig mit der Dreierkette Emre Can, Mats Hummels und Manuel Akanji. Später lief der BVB immer öfter mit einer Viererkette auf. Emre Can stopfte dann immer dort die Lücken, wo er gebraucht wurde. Der Abwehrrecke zeigte stets Einsatz und ging lautstark voran. Viermal erspielte er sich in der Einzelkritik Note 2.

Emre Can gibt in der BVB-Abwehr immer alles, leistete sich aber auch einige Fehler.

Für eine bessere Gesamtbewertung leistete er sich aber zu viele Aussetzer. Bei der 1:5-Niederlage gegen den VfB Stuttgart am 11. Spieltag bekam er die Note 6. Edin Terzic übernahm nach der Klatsche von Lucien Favre und setzte den Nationalspieler vermehrt im Mittelfeld ein. Er kam zu insgesamt 28 Einsätzen, drei Partien verpasste er wegen einer Corona-Infektion. 15 Mal spielte er in der Innenverteidigung, zehnmal im Mittelfeld. Dreimal stellte sich der Allrounder wegen akuter Formschwäche der Kollegen sogar als Rechtsverteidiger zur Verfügung. Durchschnittsnote: 3,3

BVB-Verteidiger Manuel Akanji mit aufsteigender Form im Saison-Endspurt

Manuel Akanji: Wenn der Schweizer Verteidiger fit ist, spielt er in der BVB-Abwehr. Seine beste Note staubte Manuel Akanji am 14. Spieltag ab, als er beim 2:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg per Kopf einen von zwei Saisontreffern erzielte und eine glatte Note 1 bekam. Nur wenig später begann für Borussia Dortmund eine Phase mit nur einem Sieg in sechs Spielen.

Zwischen Mitte Januar und Mitte Februar offenbarte er gemeinsam mit seinem Abwehr-Kollegen Mats Hummels vor allem bei Standards erhebliche Schwächen. Ende Februar setzte ihn ein Muskelfaserriss für vier Spiele außer Gefecht. Nach der Pause kam Manuel Akanji stärker zurück und war im Saison-Endspurt sogar häufig der Stärkere der beiden Innenverteidiger. Auch leichtsinnige Ballverluste und fehlerhaftes Stellungsspiel wurden immer seltener. Durchschnittsnote: 3,4

Manuel Akanji hat seine Leistungen für Borussia Dortmund zuletzt merklich verbessert.

BVB-Abwehr: Verteidiger Raphael Guerreiro ist offensiv top, defensiv verbesserungswürdig

Raphael Guerreiro: Sechs Bundesliga-Spiele verpasste der Portugiese wegen muskulärer Probleme. Außerdem bekam er im nahezu bedeutungslosen letzten Saisonspiel gegen Bayer Leverkusen eine Verschnaufpause. Ansonsten war Raphael Guerreiro auf der linken Seite von Borussia Dortmund über alle Zweifel erhaben. Sehr wohl fühlt sich der technisch versierte Verteidiger immer dann, wenn er sich in die Offensive einschalten kann. Fünf Tore und elf Vorlagen sind der bisher beste Scorerwert in seiner bald fünfjährigen BVB-Karriere.

Besonders stark spielte er schon früh in der Saison auf: Am 5. Spieltag verdiente er sich mit zwei Vorlagen beim Derbysieg gegen Schalke die Note 1,5. Am 7. Spieltag ebenso bei der 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern. Großes Manko: Unter dem Offensivdrang von Raphael Guerreiro leiden häufig die Abwehr-Leistungen. Große Probleme hatte er am 17. Spieltag bei der 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen, als er den pfeilschnellen BVB-Transfer-Kandidaten Moussa Diaby zu keiner Zeit in den Griff bekam. Dafür gab es in der Einzelkritik die Note 6. Durchschnittsnote: 3,4

BVB-Abwehr: Verteidiger Dan-Axel Zagadou wieder von Verletzungen zurückgeworfen

Dan-Axel Zagadou: Am 10. Spieltag absolvierte der verletzungsgeplagte Innenverteidiger beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt sein erstes Spiel seit sechs Monaten. Er lief direkt von Beginn an auf und kam auf eine ordentliche Note 3,5.

BVB-Verteidiger Dan-Axel Zagadou hat immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen.

Insgesamt spielte Dan-Axel Zagadou nur fünfmal länger als 20 Minuten. Die Einzelkritik bewegte sich jeweils im unauffälligen Bereich zwischen 3 und 4. Letztmals kam er am 13. März beim 2:0-Sieg des BVB gegen Hertha BSC zum Einsatz. Anschließend musste er sich einer Operation am Knie unterziehen. Durchschnittsnote: 3,6

BVB-Verteidiger Mateu Morey kam nicht über Ansätze hinaus

Mateu Morey: Er musste sich zu Beginn hinter Thomas Meunier anstellen. Nach einigen enttäuschenden Leistungen des Neuzugangs bekam Mateu Morey am 10. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt seine erste Startelf-Chance.

Der 21-Jährige kam nie wirklich über vielversprechende Ansätze hinaus, seine beste Bewertung sollte die Note 2,5 bleiben, die er zweimal erhielt. Immerhin gab es aber auch nur einmal beim 1:5-Debakel gegen den VfB Stuttgart die Note 5. Dreizehnmal kam er zum Einsatz, bis Lukasz Piszczek sich seinen Stammplatz zurückeroberte. Bitter, dass sich Mateu Morey kurz vor Saisonende eine schwere Verletzung zuzog und dem BVB lange fehlen wird. Durchschnittsnote: 3,7

BVB-Rechtsverteidiger Mateu Morey fällt derzeit verletzt aus.

BVB-Verteidiger Thomas Meunier mit viel Schatten: Neuzugang ist noch keine Abwehr-Verstärkung

Thomas Meunier: Von der Verpflichtung des belgischen Nationalspielers erhofft sich Borussia Dortmund viel. Die Zwischenbilanz ist ernüchternd. Bei 16 bewerteten Spielen erhielt Thomas Meunier siebenmal Note 5 oder schlechter. Seine Offensivaktionen waren meist zu ungenau. Auch im Defensivverhalten konnte er seine kräftige körperliche Statur selten gewinnbringend für den BVB einsetzen.

Nach dem lustlosen 2:2-Remis von Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln gab es für Thomas Meunier RUHR24-Note 6. Und Trainer Edin Terzic verzichtete seit jenem 27. Spieltag nahezu vollständig auf den erfahrenen Verteidiger. Einzelne Lichtblicke gab es aber auch. Beim enttäuschenden 1:1 im Heimspiel gegen Mainz 05 war er bester Borusse und belohnte seine gute Leistung mit dem ersten Treffer im BVB-Trikot. Durchschnittsnote: 4,2

BVB-Verteidiger wartet auf Durchbruch: Gute Spiele von Nico Schulz waren Mangelware

Nico Schulz: Dem Linksverteidiger gelang auch in seiner zweiten Saison beim BVB der Durchbruch nicht. Nur dreizehnmal stand er in der Bundesliga auf dem Platz, davon sechs Kurzeinsätze. Eigenwerbung konnte der Ersatzmann von Raphael Guerreiro dabei nicht betreiben: Wenn der Portugiese auf dem Platz stand, holte Borussia Dortmund im Schnitt 1,98 Punkte.

Nico Schulz hat in der Abwehr des BVB den Durchbruch noch nicht geschafft.

Spielte Nico Schulz, konnten die Borussen im Schnitt nur 1,62 Punkte einfahren. Ähnlich wie Thomas Meunier blieb er offensiv häufig harmlos und defensiv anfällig, wenngleich die ganz schlimmen Patzer im Vergleich zum Außenverteidiger-Kollegen seltener waren. Allerdings fehlten vereinzelte positive Ausreißer. Die Noten für Nico Schulz bewegten sich zwischen 3,5 und 5,5. Daher kommt er nur auf die Durchschnittsnote: 4,3

BVB-Abwehr: Thomas Delaney gibt Aushilfe-Verteidiger, Marcel Schmelzer ohne Einsatz

Thomas Delaney: Am 4. Spieltag musste er in der Innenverteidigung des BVB aushelfen: Der Grund: Manuel Akanji hatte sich mit Corona infiziert. Und sein Ersatzmann Lukasz Piszczek zog sich bei der Partie gegen die TSG Hoffenheim schon nach 19 Minuten eine Gesichtsverletzung zu. Für seine stabile Leistung beim 1:0-Sieg bekam der Däne die Note 2. Seine Leistungen werden gesondert in der Saison-Auswertung des BVB-Mittelfeldes analysiert.

Gar nicht zum Einsatz kam in der Saison 2020/2021 Marcel Schmelzer. Der Linksverteidiger musste sich einer Knie-OP unterziehen und verpasste sämtliche Spiele des BVB. Er bekommt gemeinsam mit Lukasz Piszczek ein Abschiedsspiel im Jahr 2022.

*Hinweis: Bei den Einzelkritiken werden jeweils nur die Spieler benotet, die mehr als zwanzig Minuten Einsatzzeit pro Spiel bekommen haben.

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