Fehlende Breite im BVB-Kader

Probleme bei Borussia Dortmund: Warum die Abwehr die Titel-Träume des BVB stören könnte

Offensiv top, defensiv Flop – so schlimm ist es beim BVB derzeit nicht. Aber  Borussia Dortmund könnte schnell Probleme in der Verteidigung bekommen.

  • Borussia Dortmund hat sich für die Offensive verstärkt, für die Defensive eher nicht.
  • Der BVB hat nach der Verletzung von Dan-Axel Zagadou nur zwei gelernte Innenverteidiger im Kader.
  • Ein Mittelfeldspieler könnte als Option in der Defensivzentrale gelten, weitere Neuzugänge sind ausgeschlossen.

Dortmund - Beim 6:0-Sieg über den österreichischen Erstligisten SCR Altach ließ der BVB in der Defensive nichts anbrennen (die Spiele des BVB im Live-Stream und im Free-TV). Allzu stark gefordert wurde die Abwehr von Borussia Dortmund allerdings auch nicht. Das könnte sich in den Pflichtspielen allerdings ändern.

Name

Dan-Axel Zagadou

Geboren

3. Juni 1999 (Alter 21 Jahre), Créteil, Frankreich

Größe

1,96 Meter

Gewicht

90 Kilogramm

Aktuelle Teams

Borussia Dortmund (#5 / Abwehrspieler), Französische U-21-Fußballnationalmannschaft (Abwehrspieler)

Borussia Dortmund: Der BVB kassierte im Schnitt 15 Tore mehr als der FC Bayern München

In den vergangenen Jahren gehörte die Defensive des BVB stets zu den besten Abwehrreihen der Bundesliga. Lediglich der FC Bayern kassierte in der vergangenen noch weniger Gegentore als Borussia Dortmund (alle BVB-Artikel auf RUHR24.de). Im Schnitt kassierten die Schwarz-Gelben in den vergangenen Jahren 41,2 Gegentreffer.

Zum Vergleich: Der FC Bayern München, der in den vergangenen fünf Jahren stets die deutsche Meisterschaft gewann, kommt im Schnitt auf 26,2 Gegentore. Diese Marke unterbot der BVB zuletzt in seinen Meisterjahren 2011 (22 Gegentore) und 2012 (25 Gegentreffer). 

BVB: Bei Transfers legt Borussia Dortmund mehr Wert auf die Offensive

Möchte Borussia Dortmund dem Rekordmeister also im Kampf um den Titel gefährlich werden, muss der BVB in der Defensive deutlich stabiler werden. Doch die Transfers der Schwarz-Gelben zeigen: Es wird lieber Wert auf die Offensive gelegt.

Erling Haaland (20), der mit einem witzigen Geständnis über viele Freundinnen für einen Lacher sorgt, kam im Januar 2020 und sorgte mit vielen Toren beim BVB für Furore. Jude Bellingham (17) könnte im Mittelfeld von Borussia Dortmund der künftige Spielgestalter werden.

Borussia Dortmund: Thomas Meunier sieht sich eher als Offensivspieler

Für die Defensive wurde einzig Thomas Meunier (28) als Ersatz für Achraf Hakimi (21) verpflichtet, der mittlerweile zu Inter Mailand gewechselt ist. Die Verpflichtungen machen allesamt Sinn, doch verstärkt wurde die BVB-Verteidigung nicht.

Thomas Meunier sieht sich selbst eher in der Offensiv auf der Außenbahn. So sagt er über sich: "Es würde dem Team sicher nicht guttun, wenn ich Teil der Dreierkette bin. Weil ich immer nach vorne spielen will. Da hätten wir dann defensiv ein großes Loch"

Thomas Meunier wurde als Ersatz für Achraf Hakimi geholt, sein Offensivdrang ist größer als seine Mitarbeit in der Defensive.

Aber auch als Rechtsverteidiger, so probierte BVB-Trainer Lucien Favre (62) im Testspiel gegen den SCR Altach die Viererkette aus, wäre Thomas Meunier keine optimale Lösung. Durch seinen Offensivdrang könnte die Defensive stark vernachlässigt werden. Zumal der BVB auf der Linksverteidiger-Position mit Raphaël Guerreiro (26) einen gleichen Spielertypen hat.

BVB: Mit Leonardo Balerdi hat ein Innenverteidiger den Klub verlassen

Doch nicht nur die Position der Außenverteidiger bereitet bei Borussia Dortmund mit Blick auf die neue Saison Sorgen. Leonardo Balerdi (21) hat den Klub in Richtung Olympique Marseille verlassen, Dan-Axel Zagadou (21) hat sich im Trainingslager am Knie verletzt und wird in Bad Ragaz nicht mehr mittrainieren.

Als gelernte Innenverteidiger stehen Lucien Favre, dessen Vertrag beim BVB nur unter einer Voraussetzung verlängert wird, somit lediglich noch Mats Hummels (31), der aber nach einer Knöchelverletzung ebenfalls erst wieder ins Training eingestiegen ist, und Manuel Akanji (25) zur Verfügung.

Daher probierte der BVB-Coach in der vergangenen Saison bereits Lukasz Piszczek (35) als Innenverteidiger aus, da der Trainer zumeist auf eine Dreierkette setzte. Immerhin: In 18 Spielen als Innenverteidiger gewann Borussia Dortmund 14-mal. Allerdings waren unter den Niederlagen die zwei Spiele gegen die TSG Hoffenheim sowie das 0:1 gegen den FC Bayern München.

Borussia Dortmund: Emre Can hofft auf eine Teilnahme an der Europameisterschaft

Sollte Thomas Meunier allerdings mal ausfallen, müsste Lukasz Piszczek wieder als Rechtsverteidiger einspringen. Und dann wäre da noch Emre Can. Der 26-Jährige hofft, im kommenden Jahr mit Deutschland an der Europameisterschaft teilnehmen zu dürfen. Doch auf welcher Position?

Im Mittelfeld ist sowohl in der deutschen Nationalmannschaft als auch beim BVB wohl kein Platz für den Deutsch-Türken. Mit Jude Bellingham als Neuzugang, dem ein Aufstieg in der englischen Nationalmannschaft winkt, und Rückkehrer Thomas Delaney (28), der lange Zeit verletzt ausfiel, wird die Konkurrenz für Emre Can im Dortmunder Mittelfeld noch größer.

Thomas Meunier wurde als Ersatz für Achraf Hakimi geholt, sein Offensivdrang ist größer als seine Mitarbeit in der Defensive.

BVB: Emre Can könnte in der Innenverteidigung seinen Platz finden

In der Innenverteidigung wiederum hätte der 26-Jährige deutlich bessere Chancen. Zumal die BVB-Innenverteidiger als verletzungsanfällig gelten. Dan-Axel Zagadou, der nun erneut verletzt ist und über seine Erfahrungen mit Rassismus spricht, wie die Ruhr Nachrichten berichten, verpasste in der vergangenen Saison neun Spiele. Mats Hummels und Manuel Akanji fehlten jeweils in drei Partien.

So könnte es schnell passieren, dass der BVB als Meisterschaftsaspirant und durchaus auch mit Hoffnungen im DFB-Pokal und in der Champions League plötzlich ohne gelernten Innenverteidiger durch die Saison gehen muss.

Borussia Dortmund: Der BVB kann keine neuen Spieler mehr holen

Doch an weitere Neuzugänge denkt Borussia Dortmund nicht. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (61) sagte im Interview mit der dpa: "Es ist Stand jetzt kein Geld mehr für Ablösesummen da."

Doch die Vergangenheit zeigt: Nur mit einer starken Defensive kann Borussia Dortmund dem FC Bayern München wohl im Kampf um Platz eins gefährlich werden. Oder wie es das Sprichwort aus dem US-Sport besagt: "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften."

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