Kommentar

BVB-Bosse müssen nach Aus von Marco Rose Fehler eingestehen

Der BVB und Trainer Marco Rose haben sich überraschend getrennt. Diese Entwicklung zeigt: Die Dortmund-Bosse haben Fehler gemacht. Ein Kommentar.

Dortmund – Es war ein echter Paukenschlag bei Borussia Dortmund. Am Freitagmittag (20. Mai) verkündete der BVB das Aus von Chef-Coach Marco Rose. Bei aller Überraschung über den Zeitpunkt der Trennung, hat sich das Ende dieser Beziehung aber auch aufgrund von Fehlern in der Chef-Etage ein Stück weit angebahnt, wie RUHR24-Mitarbeiter Kevin Mattes kommentiert.

BVB-Aus von Marco Rose zeigt: Dortmund-Bosse müssen Fehler eingestehen

Die Vorzeichen, unter denen Marco Rose das Traineramt bei Borussia Dortmund im Sommer 2021 aufnahm, waren alles andere als optimal. Die Mannschaft, die in der Vorsaison bereits Ex-Trainer Lucien Favre aufgrund von anhaltenden Problemen, den Job kostete, wurde im Sommer kaum nennenswert verstärkt. Zusätzlich musste man mit Jadon Sancho einen absoluten Unterschiedsspieler ziehen lassen.

Es folgte eine komplizierte Vorbereitung, in welcher der 45-Jährige nie den kompletten Kader zur Verfügung hatte, um seine Spiel-Idee vollends zu implementieren. Ein Umstand, der sich aufgrund von Verletzungen durch die gesamte Saison ziehen sollte. Das viel größere Problem, aus Sicht von Marco Rose, saß jedoch wöchentlich auf der Tribüne im Signal Iduna Park. Edin Terzic.

BVB: Ex-Trainer Marco Rose spürte Edin Terzic stets in seinem Rücken

Der Pokalsieg-Trainer schaffte es in seiner kurzen Amtszeit als Interimslösung eine Energie im Verein und dessen Umfeld zu erzeugen, die Dortmund wohl seit dem Abgang von Jürgen Klopp im Jahr 2015 nicht mehr in dieser Form gespürt hat. Edin Terzic sicherte dem BVB trotz schlechter Ausgangslage die Qualifikation für die Königsklasse und gewann folglich auch noch den DFB-Pokal.

Ein Dortmunder Junge, der von den Fans geliebt und von den Vereinsverantwortlichen hochgeschätzt wird. Diesen Mann behielten die Bosse bewusst ganz nah bei sich, in dem Wissen, dass wenn es mal etwas Gegenwind gibt, er sofort wieder das Ruder übernehmen könnte.

Marco Rose ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund.

BVB-Aus von Trainer Marco Rose: Bosse gingen vor der Saison einen trügerischen Kompromiss ein

Aki Watzke und Michael Zorc hatten jedoch auch nur bedingt eine Wahl. Unmittelbar nach dem Rauswurf von Lucien Favre präsentierten sie Marco Rose als seinen legitimen Nachfolger, ohne zu wissen, dass Edin Terzic die Mannschaft derart stabilisieren und sogar besser machen würde. Zu diesem Zeitpunkt war die Tinte unter den Verträgen aber bereits lange getrocknet.

Am Ende gingen die Verantwortlichen einen trügerischen Kompromiss ein. Edin Terzic blieb als Technischer Direktor im Verein und gab dafür seinen zunächst angedachten Co-Trainer-Posten unter Marco Rose auf. Damit wollte man den Eindruck, dass Edin Terzic bloß in Lauerstellung auf das Traineramt ist, verwässern.

BVB: Vereinsführung hätte im Sommer konsequenter handeln müssen

Diese Maßnahme wurde jedoch schnell von den Medien und vielen Experten durchschaut. Auch Marco Rose wird diese Finte erkannt haben. Wenn der BVB von Anfang an zu 100 Prozent von Marco Rose überzeugt gewesen wäre, hätten sie trotz aller Schwierigkeiten und Verdienste Edin Terzic aus dem Blickfeld nehmen müssen. Womöglich hätte man ihn sogar zu einem anderen Verein ziehen lassen müssen.

Der BVB hätte mit Edin Terzic anders umgehen müssen.

Anfragen für ihn gab es bekanntlich zur Genüge. Borussia Dortmund entschied sich jedoch dagegen und Marco Rose spürte ständig zusätzlichen Druck, den er öffentlich jedoch von sich wies.

BVB trennt sich von Trainer Marco Rose: Saison war eine Enttäuschung

Nun brachte er die Saison einigermaßen versöhnlich zu Ende. Die Niederschläge in den Cup-Wettbewerben waren zwar massiv, wurden jedoch durch eine weitestgehend stabile Bundesligasaison zumindest teilweise entschärft. Die Saison bewerteten alle Protagonisten dennoch als Enttäuschung.

Trotzdem vermittelte die Vereinsführung nach Außen immer wieder den Eindruck, an Marco Rose festhalten und mit ihm gemeinsam wieder in die Spur finden zu wollen. So sagte Aki Watzke am 9. März im Gespräch mit der Sport Bild noch: „Marco Rose steht bei Borussia Dortmund in keinster Weise zur Disposition.“

Hans-Joachim Watzke und Sebastian Kehl gaben Marco Rose bis zuletzt öffentlich Rückendeckung.

BVB: Hans-Joachim Watzke und Sebastian Kehl stärkten Marco Rose öffentlich den Rücken

Vor wenigen Wochen schlug Neu-Sportdirektor Sebastian Kehl im Sport1-Doppelpass in eine ähnliche Kerbe, nachdem er zuvor mit unglücklichen Aussagen Raum für Spekulationen rund um Marco Rose gelassen hatte.

„Ich kann aber auch klar sagen, dass ich mit Marco (Rose Anm. d. Red.) die Saison plane und dass wir im Moment in der Vorbereitung mit den Transferthemen komplett alles gemeinsam besprechen.“

BVB-Aus von Marco Rose: Sportliche Führung gibt ein schlechtes Bild ab

Die überraschende Trennung von Marco Rose wirft nun ein schlechtes Bild auf die Vereinsführung, insbesondere da Edin Terzic vermutlich tatsächlich neuer BVB-Coach werden wird. Inhaltlich ist es sicherlich eine ideale Lösung für den Klub, jedoch bestätigen sich damit auch die Vermutungen, die bereits von vielen zu Beginn der Saison aufgestellt wurden.

Marco Rose und Borussia Dortmund haben sich überraschend getrennt.

Die proaktive und wiederholte Rückendeckung für Marco Rose sowie das plötzliche Rumgeeiere von Sebastian Kehl bringen zusätzliche Schärfe in die Thematik, die es wohl nicht gebraucht hätte. Nun gibt es bei Borussia Dortmund einen kompletten Neuanfang mit neuer sportlicher Leitung, neuem Trainer und zahlreichen Transfers.

Unter anderen Umständen hätte dieser harte Cut eine noch größere Aufbruchsstimmung entfalten können. So bleibt ein kleines Geschmäckle. Und auch Sebastian Kehl erhält trotz überragender Transferoffensive einen ersten Kratzer in neuer Position.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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