Kommentar

BVB-Boss muss Konsequenzen ziehen: WM-Desaster ist ein hausgemachtes Problem

Das deutsche WM-Desaster lässt den DFB wie einen unbelehrbaren Schuljungen dastehen. Oliver Bierhoff muss endlich weichen. Ein Kommentar.

Al-Khor/Dortmund – Die deutsche Nationalmannschaft muss frühzeitig die Heimreise antreten. Das ist die Konsequenz jahrelangen Versagens. Das WM-Desaster muss Konsequenzen nach sich ziehen, meint RUHR24-Redakteur Malte Schindel.

WM-Desaster 2.0: Das Sportliche rückt in den Hintergrund

Aus und vorbei. Der unrealistische Traum vom fünften WM-Titel ist krachend zu Ende gegangen. Für das DFB-Team ist wie schon 2018 bereits nach der Gruppenphase Feierabend. Die Parallelen zum Russland-Turnier sind verblüffend, kaum in Worte zu fassen und dennoch nur mit verschlossenen Augen zu übersehen.

2018 war Deutschland als amtierender Weltmeister ins Turnier gegangen. Die Mannschaft war gespickt mit Stars. Schon damals war es zunächst nicht ums Sportliche gegangen.

Ein Foto des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zusammen mit den deutschen (Ex-)Nationalspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan hatte die mediale Berichterstattung beherrscht. Nun war es die Debatte um die „One Love“-Binde, die erneut einen Nebenschauplatz in den Vordergrund rücken ließ. Politik statt Fußball.

„Schachbrettspieler“ statt „Käfigzauberer“: Der DFB hat ein hausgemachtes Problem

Doch auch das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft auf dem Rasen hatte 2018 einer Katastrophe geglichen: einfallslos, uninspiriert, langsam. Nun war es: einfallslos, uninspiriert, langsam.

Lediglich ein Spieler kann sich diesem Urteil entziehen. Es ist sinnbildlich für den deutschen Fußball, dass ausgerechnet Jamal Musiala der beste Kicker in Katar war: Ein 19-Jähriger, ausgebildet in England.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff und Bundestrainer Hansi Flick müssen DFB-Vizepräsident und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke (von links) Rede und Antwort stehen.

„Schachbrettspieler“ statt „Käfigzauberer“, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat ein hausgemachtes Problem: Der deutsche Fußball bringt seit geraumer Zeit keine kreativen Köpfe mehr hervor, keine Individualisten. Stattdessen formt man sich in den Akademien der Republik den Nachwuchs so lange zurecht, bis er weiß, wann er „abzukippen“ hat, „Teil aktiv“ sein oder sich in ein „gekipptes V“ bewegen muss. Den Übersteiger hat er längst vergessen. Dies ist mitunter das Werk von Oliver Bierhoff.

BVB-Boss muss Konsequenzen ziehen: Oliver Bierhoff muss endlich gehen

Der DFB-Direktor ist schon lange nicht mehr tragbar. Zweifelsohne: Er hat einen großen Anteil an der bis zuletzt positiven Wahrnehmung der deutschen Nationalmannschaft im Ausland. Jedoch hat die deutsche Auswahl den Bezug zur Basis verloren: den Bürgern im eigenen Land. Stichwort: Überteuerte Eintrittspreise und familienunfreundliche Anstoßzeiten – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Aus mir unerklärlichen Gründen genießt Oliver Bierhoff in Fußball-Kreisen den Ruf des Unantastbaren. Bis jetzt. Endlich wacht der DFB auf.

Präsident Bernd Neuendorf hat eine vierköpfige Krisensitzung angekündigt. Hans-Joachim Watzke, BVB-Boss, wird als Vizepräsident des größten Sportverbandes der Welt anwesend sein, wenn Oliver Bierhoff und Bundestrainer Hansi Flick ihre Analyse des Katar-Desasters präsentieren.

Oliver Bierhoff: Zwischen Selbsteinschätzung und Realität

Für Hans-Joachim Watzke und Bernd Neuendorf kann, darf und muss es anschließend nur eine logische Schlussfolgerung geben: Der Posten des DFB-Direktors muss neu besetzt werden.

Oliver Bierhoff schloss persönliche Konsequenzen unmittelbar nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in Katar noch aus. „Da mache ich mir jetzt nicht die großen Sorgen“, hatte er getönt. Der DFB-Direktor fühlt sich seit Jahren über jeden Zweifel erhaben. Doch zwischen seiner Selbsteinschätzung und der Realität klaffen Welten.

Der DFB-Direktor hat selten bis nie Lösungsansätze präsentiert. Viel mehr verschwand er im Trümmerfeld, ließ 2018 eine ganze Nation auf Mesut Özil einhauen und zuletzt die „One Love“-Debatte auf dem Rücken der Spieler ausführen. Er ist für das WM-Debakel mindestens genauso mitverantwortlich wie die Mannschaft, die es in drei Gruppenspielen nur zu einem Sieg gebracht hat. Doch der kam zu spät – wie der herbeigesehnte Abschied von Oliver Bierhoff.

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