Halbjahresbilanz für Dortmund-Profis

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Guerreiro und Meunier fallen ab

Borussia Dortmund hat bereits 21 Gegentore kassiert. Dennoch stechen drei Defensivspieler positiv hervor. Eine Analyse von RUHR24 mit Noten zum BVB.

Dortmund – Borussia Dortmund hat ein turbulentes Halbjahr hinter sich. Im Sommer gab es den Trainerwechsel von Marco Rose auf Edin Terzic. Zudem gab es einen größeren Umbruch im Kader. Insbesondere in der Abwehr hat sich viel verändert. Einiges zum Positiven, aber auch einiges zum Negativen.

BVB-Einzelkritik zum Tor und Abwehr: Großer Umbruch bei Borussia Dortmund im Sommer

Für die Hintermannschaft verpflichtete der Revierklub mit Torhüter Alexander Meyer, Niklas Süle und Nico Schlotterbeck vor der Spielzeit 2022/2023 drei neue Akteure. Im Gegenzug verließen Roman Bürki, Marwin Hitz, Dan-Axel Zagadou, Marin Pongracic und Manuel Akanji den Verein.

Zu Saisonbeginn wirkte die Defensive im Vergleich zur Vorsaison deutlich stabiler. Im weiteren Verlauf häuften sich jedoch individuelle Fehler und Abstimmungsprobleme. Erschwerend hinzu kam auch noch ein absurdes Verletzungspech.

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Der beste Profi steht im Tor

Der bis dato letzte Eindruck vor der WM-Pause war erschreckend: Der BVB kassierte bei der Niederlage in Mönchengladbach (2:4) gleich vier Gegentore. Nur wenige Tage zuvor hatte man mit 0:2 beim VfL Wolfsburg verloren. Trainer Edin Terzic kündigte daraufhin an, die Pause nutzen zu wollen, um an den Unzulänglichkeiten in der Defensive zu arbeiten.

RUHR24 hat alle BVB-Einzelkritiken der 15 Bundesliga-Spieltage, sechs Champions-League-Auftritte sowie der beiden DFB-Pokal-Spiele ausgewertet. Eine Note vergibt RUHR24, sobald ein Spieler mindestens 20 Minuten auf dem Feld stand. Überraschend fällt auf: Der beste BVB-Profi in der Defensive steht zwischen den Pfosten und heißt Gregor Kobel.

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Gregor Kobel ist der notenbeste Spieler von Borussia Dortmund

Gregor Kobel (16 benotete Spiele): Der Schweizer ist der bestbewertete Profi im gesamten BVB-Kader. Mehrfach hielt er seiner Mannschaft mit überragenden Paraden die Punkte fest. Am präsentesten sind wohl seine Top-Leistungen gegen Hannover 96 im DFB-Pokal oder beim Dusel-Sieg gegen Eintracht Frankfurt in der Bundesliga. Gegen Manchester City hielt Gregor Kobel zudem einen wichtigen Elfmeter gegen Riyad Mahrez, der das weiterkommen in der Champions League sicherte.

Der Schlussmann zeigte sich bislang extrem stark auf der Linie, bringt fußballerisch eine Menge mit und liest das Spiel aufmerksam. Mit Ausnahme des BVB-Spiels bei Union Berlin (0:2), wo Kobel eine unglückliche Figur abgab, war immer Verlass auf ihn. In der Bundesliga gehört er längst zu den besten Keepern. Durchschnittsnote von RUHR24: 2,3

Gregor Kobel war bisher der mit Abstand notenbeste Spieler beim BVB.

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Alexander Meyer ist eine positive Überraschung

Alexander Meyer (8 benotete Spiele): Aus der 2. Liga in die Champions League. Dieser Traum ging für Alexander Meyer in der laufenden Hinrunde in Erfüllung. Der Ex-Regensburger wurde vor der Saison überraschend als Nummer zwei hinter Gregor Kobel verpflichtet. Dass der BVB dann allerdings so früh auf seine Dienste vertrauen musste und in dieser Fülle, überraschte ihn wohl selbst.

Alexander Meyer überraschte im Gegenzug viele Dortmund-Fans mit seiner Leistung. Der 31-Jährige hinterließ in seinen acht Einsätzen einen überwiegend starken und sicheren Eindruck. Insbesondere mit seiner fußballerischen Qualität wusste er zu überzeugen. Seine Ruhe im Spielaufbau und sein gutes Auge für die Mitspieler wurden schnell sichtbar. Was die Gegentreffer angeht, war sicherlich der eine oder andere Ball nicht ganz unhaltbar, aber dennoch: Meyer entschärfte einige gute Chancen und erwies sich als ordentlicher Stellvertreter. Durchschnittsnote von RUHR24: 3,1

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Niklas Süle stabilisiert sich nach holprigem Beginn

Niklas Süle (18 benotete Spiele): Der fünffache Deutsche Meister kam vor der Saison mit Vorschusslorbeeren aus München zum BVB. Von einigen Experten wurde er sogar als „Königstransfer“ gefeiert. Diesen hohen Ansprüchen wurde Niklas Süle allerdings nur teilweise gerecht. Der Start verlief für ihn mit einer Muskelverletzung denkbar schlecht. Seine ersten Auftritte im schwarz-gelben Trikot waren holprig und zu fehlerbehaftet.

Im weiteren Verlauf blitze seine Qualität dann häufiger auf. In der Innenverteidigung schaffte Niklas Süle es oftmals, die Defensive zu stabilisieren. Nach dem Ausfall von Thomas Meunier überraschte er dann mit auffällig guten Leistungen als Rechtsverteidiger. Insgesamt ist sein Spiel aber noch von zu vielen Schwankungen geprägt. Nichtsdestotrotz befindet sich der Neuzugang auf einem guten Weg und zählt in der Abwehr zu den besseren Akteuren. Durchschnittsnote von RUHR24: 3,3

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Nico Schlotterbeck muss eine große Schwäche ablegen

Nico Schlotterbeck (21 benotete Spiele): Ähnlich wie Niklas Süle bekam auch Nico Schlotterbeck bisher keine Konstanz in seine Leistungen. In den BVB-Einzelkritiken wechseln seine Noten oftmals zwischen 2 und 4,5. Seine durchaus kompromisslose und risikobehaftete Spielweise kommt ihm in vielen Situationen, insbesondere in Zweikämpfen, zugute. Gleichzeitig liefert sie jedoch erhöhtes Fehlerpotenzial, wodurch Borussia Dortmund schon das eine oder andere Gegentor schlucken musste.

Die offensichtlichste Baustelle im Spiel von Nico Schlotterbeck ist definitiv das Verteidigen von gegnerischen Standards. Immer wieder ließ er seine Gegenspieler entwischen oder verlor leichtfertig den Luftkampf. An dieser Stellschraube muss der Ex-Freiburger schleunigst drehen. Ansonsten hat er sich als junger Spieler ordentlich in den Klub eingefügt und verkörpert den unbedingten Siegeswillen, der vielen anderen BVB-Profis abgesprochen wird. Durchschnittsnote von RUHR24: 3,3

Nico Schlotterbeck erhält in der BVB-Halbjahresbilanz die Note 3,3.

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Raphael Guerreiro kommt seiner Primäraufgabe zu selten nach

Raphael Guerreiro (18 benotete Spiele): Die Bezeichnung „alles wie immer“ trifft bei Raphael Guerreiro wohl am besten zu. Der Portugiese lieferte wie gewohnt einige feine Kabinettstückchen in der Offensive. Drei Tore und drei Vorlagen in 18 Spielen sind für einen Außenverteidiger ein guter Wert. Mit dem Ball am Fuß ist er wohl einer der besten im Team.

Dafür offenbarte Raphael Guerreiro aber erneut viel zu viele Schwächen im Defensivverhalten. Sein Positionsspiel ist oftmals falsch, dazu gab es einige Stellungsfehler und unglückliche Zweikämpfe. Seiner Primäraufgabe als Verteidiger wird der 28-Jährige nur selten gerecht, wodurch seine Note in der Einzelkritik etwas schlechter ausfällt. Durchschnittsnote von RUHR24: 3,6

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Mats Hummels ist der stabilste Innenverteidiger

Mats Hummels (18 benotete Spiele): Der Routinier wurde vor der Saison bereits von vielen Experten abgeschrieben. Mats Hummels arbeitete jedoch in der Sommerpause intensiv an seinem Körper und seiner Fitness. Das Ergebnis: Beim BVB avancierte er zum stabilsten Verteidiger. Besonders in den Top-Spielen wusste der 33-Jährige zu überzeugen und schaltete sogar Erling Haaland in den Champions-League-Duellen gegen Manchester City über weite Strecken komplett aus.

Er verteidigt mutig nach vorne, behält die Übersicht im Spielaufbau und hält mit seiner kommunikativen Art den Laden zusammen. Seine Fehlerquote hat sich deutlich reduziert. Mit ihm im Zentrum kassierten die Dortmunder zudem deutlich weniger Gegentore. In dieser Form hätte Mats Hummels eine WM-Nominierung verdient gehabt. Sein schwacher Auftritt in Mönchengladbach (Note 6 in der Einzelkritik von RUHR24) ist wohl aus Ausrutscher zu werten. Durchschnittsnote von RUHR24: 3,0

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Marius Wolf nach guten Leistungen mit Pech

Marius Wolf (7 benotete Spiele): Er ist der größte Pechvogel in der Defensive. Marius Wolf überraschte zu Beginn viele Fans mit seinen starken Leistungen. Zwischenzeitlich lief er sogar Stammspieler Thomas Meunier den Rang ab. Wolf präsentierte sich sehr dynamisch und im Offensivspiel deutlich zielstrebiger als sein Konkurrent.

Defensiv hielt er seinen Bereich dabei überwiegend dicht. Nach mehreren Leih-Geschäften in den vergangenen Jahren schien er endlich in Dortmund angekommen. Dann warfen ihn jedoch Verletzungen beziehungsweise ein Infekt zurück. So kam er bisher nur 7 Mal zum Einsatz. Wenn er jedoch gespielt hat, wurde er nie schlechter als mit der Note 3,5 bewertet. Durchschnittsnote von RUHR24: 2,7

Marius Wolf sorgte zu Saisonbeginn für Aufsehen.

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Thomas Meunier weiterhin mit Schwierigkeiten

Thomas Meunier (14 benotete Spiele): Der Belgier hat auch in seinem zweiten BVB-Jahr deutliche Anpassungsprobleme. Wenn die Mannschaft schlecht spielt, gehört er häufig noch zu den schlechtesten BVB-Profis. Bei ordentlichen Team-Leistungen schwimmt Thomas Meunier einfach mit, ohne groß zu glänzen.

Seine zahlreichen Flanken finden nur selten einen Abnehmer. Im Spielaufbau offenbarte er darüber hinaus schon mehrfach einfache und unnötige Ballverluste. Er ist ein Unsicherheitsfaktor in der Abwehr, der viel zu selten eine stabile Leistung abruft. Im Sommer stehen die Zeichen daher auf Trennung. Durchschnittsnote von RUHR24: 4,2

BVB-Einzelkritik zur Defensive mit Noten: Tom Rothe und Felix Passlack momentan nur Ergänzungsspieler

Tom Rothe (1 benotetes Spiel): Bekam bisher nur einen längeren Einsatz im Champions-League-Rückspiel gegen den FC Sevilla. Dort wirkte er noch etwas überfordert mit dem Tempo und der Qualität des Gegners. Trainer Edin Terzic wird ihm Zeit geben, sich entwickeln zu können und dann wird er Stück für Stück mit Einsätzen aufgebaut. Durchschnittsnote von RUHR24: 4,0

Felix Passlack (3 benotete Spiele): Auch Felix Passlack kam nur äußerst selten zum Zug. Im bedeutungsarmen Rückspiel gegen den FC Kopenhagen spielte er 90 Minuten. Dort konnte er keine große Eigenwerbung betreiben und hatte sogar Teilaktien am Gegentor. In der Bundesliga gab es für den Außenverteidiger nur zwei kürzere Einsätze. Seine Zeit beim BVB scheint dem Ende entgegenzugehen. Durchschnittsnote von RUHR24: 3,5

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/Kirchner Media; Collage: RUHR24

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