Stadt wehrt Anfrage ab

Bochum verzichtet trotz Habeck-Warnung auf Notfall-Maßnahme

Entgegen der Empfehlung des Deutschen Städtetages will die Stadt Bochum für den Fall eines längeren Blackouts keine Wärmehallen bauen – warum?

Bochum – „Wir sind in einer Situation, in der alles passieren kann“ und „Wir müssen uns auf das Schlimmste einstellen“ – geht es nach den Worten des Bundesgesundheitsministers Robert Haback (Grüne) steht Deutschland in Sachen Energieversorgung vor einer düsteren Zukunft.

Wärmehallen sind für Bochum vorerst keine Option im Falle einer Katastrophe

Der Deutsche Städtetag schlug Städten deswegen bereits im Sommer vor, sogenannte Wärmehallen bzw. Wärmeinseln für den Winter vorzubereiten. Hier könnten sich Bürger aufwärmen, sollte der Strom oder das Gas knapp werden, sollte es zu Blackouts kommen.

Die Stadt Bochum möchte sogenannte Wärmehallen oder Wärmeinseln aber (noch) nicht vorbereiten. So zumindest lautet die Antwort auf eine Anfrage der „Fraktion für Bochum“ aus dem Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

Bochum verweist im Falle einer Katastrophe auf Konzept von Evakuierungen

Aus der Verwaltung heißt es, dass es ein ähnliches Konzept bereits gäbe. Es komme etwa bei Evakuierungen während Bombenentschärfungen zu tragen. Bürgerinnen und Bürger könnten sich dann stets in einer nahen Einrichtung aufwärmen und dort zu essen und zu trinken bekommen.

Doch dieses bereits bestehende Katastrophenschutzkonzept werde aktuell nur für ein Prozent der Bochumer Bürgerinnen und Bürger vorgehalten, sprich: für rund 3630 der rund 363.000 Einwohner. Wären mehr Menschen betroffen, etwa bei einem großen Blackout, müssten andere Lösungen her.

Bundeswirtschaftsminister Habeck (l.) warnt: „Es kann alles passieren“. Bochums OB Eiskirch (SPD) will vorerst keine Wärmehallen einrichten lassen.

Stadt Bochum will bestehendes Katastrophen-Konzept ausbauen

Die Stadt, so heißt es aus einer Antwort der Verwaltung, müsste also die „bestehenden Konzepte ausbauen“. Das Kommunale Krisenmanagement plane derzeit „zentrale Anlaufpunkte“ für die Bevölkerung bei Notfällen wie einem Blackout. Aber: Diese Anlaufpunkte seien laut Verwaltung „nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung.“

An den genannten Anlaufpunkten wolle die Stadt den Bürgerinnen und Bürger im Katastrophenfall Informationen geben, sowie Trinkwasser verteilen und Notfallversorgung bieten. Es müsse jedoch beachtet werden, „dass die Schaffung von Anlaufstellen umfangreich ist und in der Gänze mehrere Monate in Anspruch nehmen wird“.

Ludwigshafen macht es Bochum vor – Stadt nutzt Handballhalle als „Wärmehalle“

Andere Städte wie Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz haben bereits im Sommer die Vorbereitungen auf einen kalten Winter gestartet. Eine große Mehrzweck-Halle soll dort im Katastrophenfall Anlaufstelle für die Bevölkerung sein. In dem Bau trägt der Handball-Bundesligist TSG Ludwigshafen-Friesenheim seine Heimspiele aus.

Aus Angst vor einem Blackout fordert die „Fraktion für Bochum“ die Einrichtung von Wärmehallen.

Woher kommt die Angst vor einer Katastrophe wie einem Blackout eigentlich? Nicht nur Naturkatastrophen können ein Grund sein, seit dem Ukraine-Krieg erscheinen auch Sabotage-Akte als wahrscheinlich. Hinzu kommt die Energieknappheit durch den Wegfall russischen Gases.

Stadt Bochum sollte sich schnell auf längeren Blackout vorbereiten

Sollte es in Bochum also zu einem längeren, flächendeckenden Stromausfall kommen, täte die Stadt gut daran, ihr Notfallkonzept schon jetzt fertig in der Schublade zu haben. Auch Bürgerinnen und Bürger können sich auf den Worst Case vorbereiten – mit einer 10-Punkte-Liste für den Katastrophenfall.

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