Oberlandesgericht Düsseldorf

Frau eines IS-Kämpfers: Prozess gegen mutmaßliche Terroristin aus Bochum

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Die mutmaßliche Terroristin Derya Ö. aus Bochum während ihres Prozesses in Düsseldorf.

Einer Frau aus Bochum wird vorgeworfen, Teil der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gewesen zu sein. Im Prozess in Düsseldorf steht das Urteil kurz bevor.

  • Gegen die mutmaßliche Terroristin Derya Ö. fällt vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf am Dienstag (17. Dezember) wohl das Urteil.
  • Ihr wird vorgeworfen, Mitglied der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gewesen zu sein.
  • 2017 wurde die Beschuldigte an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien festgenommen und später nach Deutschland abgeschoben.

Düsseldorf - Ist sie eine Terroristin oder selbst ein Opfer? Derya Ö. aus Bochum soll als Frau eines IS-Kämpfers in Syrien und dem Irak gelebt haben, berichtet RUHR24*. Ihr werden zahlreiche Straftaten zur Last gelegt. Im Prozess gegen die 27-Jährige vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf steht nun ein Urteil kurz bevor.

Prozess in Düsseldorf: Verteidiger sehen Derya Ö. aus Bochum als Opfer

Begonnen hatte der Prozess im September 2019. In den Verhandlungen soll geklärt werden, ob Derya Ö. Mitglied der Terrormiliz "Islamischer Staat" war. Ihre Verteidiger bestreiten das und sehen die 27-Jährige als Opfer. "Sie ist keine Hardcore-Islamistin, sondern ein bedauernswerter Tropf", zitiert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) einen der Anwälte.

Tatsächlich gibt es im Leben der Frau aus Bochum einiges, wofür man sie bemitleiden könnte: Als Kind sei sie Opfer der Gewalt ihres Vaters und anderer Männer geworden, berichtet die dpa. Später sei sie ins Rotlichtmilieu abgerutscht, habe als Prostituierte gearbeitet und Drogen genommen.

Prozess in Düsseldorf: Prostituierte aus Bochum soll als IS-Anhängerin in Syrien gelebt haben

Im Jahr 2014 folgte dann die Entscheidung, die das Leben der jungen Frau für immer veränderte. Laut Anklage reiste sie nach Syrien, um dort einen IS-Kämpfer aus Leverkusen zu heiraten. Zu diesem hatte sie schon zuvor Kontakt - allerdings nur über das Internet.

Ihre Mandantin habe sich dem IS-Kämpfer Mario aus Leverkusen bedingungslos unterworfen, schilderten die Verteidiger der 27-Jährigen aus Bochum im Prozess. "Sie wollte zu Mario, nicht zum IS." Eine Mitgliedschaft in der Terrormiliz sei zudem ausgeschlossen - die Terrormiliz "Islamischer Staat" nehme keine weiblichen Mitglieder auf.

Prozess in Düsseldorf: Bezahlte der Islamische Staat die Frau aus Bochum?

Die Anklage sieht das anders. Laut Bundesstaatsanwaltschaft soll sich Derya Ö. im Februar 2014 dem IS angeschlossen haben. Danach soll sie mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Kind in Syrien und im Irak gelebt haben. Von der Terrormiliz habe die Familie monatlich Geld erhalten.

Tausende Frauen ehemaliger IS-Anhänger werden derzeit in Gefangenenlagern in Syrien festgehalten.

Während einer kurzzeitigen Trennung von ihrem Ehemann habe die Beschuldigte nach islamischem Ritus ein höherrangiges IS-Mitglied geheiratet - als Zweitfrau. Von diesem sei sie allerdings drei Wochen später wieder geschieden worden. Anschließend kehrte sie laut Staatsanwaltschaft zu ihrem früheren Ehemann zurück.

Angeklagte aus Bochum soll Sprengstoffgürtel besessen haben

Der soll sie daraufhin im Umgang mit Schuss- und Kriegswaffen ausgebildet haben. Zudem soll Ö. während ihrer Zeit beim IS einen Sprengstoffgürtel besessen und einen weiteren über einen Messengerdienst zum Verkauf angeboten haben.

Der Mann von Derya Ö. sei schließlich vom IS als Spion bezichtigt und hingerichtet worden, heißt es in der Anklage. Im Februar 2017 wurde die 27-Jährige aus Bochum schließlich an der Grenze zur Türkei festgenommen und im Mai desselben Jahres nach Deutschland abgeschoben.

Prozess in Düsseldorf: Prostituierter aus Bochum drohen mehrere Jahre Haft

Dort wirft die Bundesstaatsanwaltschaft der Frau aus Bochum nun vor, Mitglied in einer ausländischen terroristischen Vereinigung gewesen zu sein. Zudem werden ihr Kriegsverbrechen und Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last gelegt. Andere IS-Heimkehrer wurden bereits verurteilt.

Das Urteil wird nach elf Verhandlungstagen für Dienstag (17. Dezember) erwartet. Laut Anklageschrift drohen der jungen Frau im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Ihre Verteidiger forderten dagegen nur ein Strafmaß von zwei Jahren und drei Monaten. Die Bundesstaatsanwaltschaft bezieht sich auf ein Geständnis der Angeklagten und hat deshalb drei Jahre Haft beantragt. M it dpa-Material

mn

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