IS-Terroristin aus Bochum packt vor Gericht aus: So kam sie vom Rotlichtmilieu zum Islamischen Staat

IS-Terroristin aus Bochum packt vor Gericht aus: So kam sie vom Rotlichtmilieu zum Islamischen Staat. Foto: dpa
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IS-Terroristin aus Bochum packt vor Gericht aus: So kam sie vom Rotlichtmilieu zum Islamischen Staat. Foto: dpa

Bochum/NRW - Eine IS-Terroristin aus Bochum steht derzeit in Düsseldorf vor Gericht. Dort erzählt sie über ihren Weg vom Straßenstrich zum Islamischen Staat. Hier mehr.

In Düsseldorf steht eine mutmaßliche IS-Terroristin aus Bochum vor Gericht. Sie hat eine ungewöhnliche Reise aus dem Rotlichtmilieu zum Islamischen Staat hinter sich.

  • Eine 27-Jährige aus Bochum ist vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf angeklagt.
  • Ihr werden Kriegsverbrechen und Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.
  • Vor Gericht erzählt sie über ihr bewegtes Leben.

Bochum: Wie aus einer Prostituierten eine IS-Terroristin wurde

Update, Mittwoch (18. Dezember), 9.49 Uhr: Zwei Jahre und neun Monate Haft verhängte das Düsseldorfer Oberlandesgericht am Dienstag (17. Dezember) gegen die Frau. Nun ist sie zwar eine verurteilte IS-Terroristin - aber mit Aussicht auf baldige Freilassung

Erstmeldung, Mittwoch (25. September): Vom Dortmunder Straßenstrich zur vollverschleierten Frau eines IS-Terroristen: Eine Syrien-Rückkehrerin hat vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf über ihren Weg aus dem Rotlichtmilieu zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berichtet.

Angefangen hat alles in einer Dortmunder Disco. Die heute 27-jährige Derya Ö. hatte dort im Alter von 17 Jahren einen Mann kennengelernt, der sie zur Prostitution auf dem Straßenstrich gezwungen haben soll. Zuvor soll sie die Schule in Bochum nach der neunten Klasse ohne Abschluss verlassen haben.

Prostituierte war vor IS-Zukunft drogenabhängig

Der Zuhälter soll ihr gegenüber ständig gewalttätig gewesen sein, weswegen Derya Ö. mehrfach versucht haben soll zu fliehen. Erst beim dritten Fluchtversuch sei sie entkommen.

Später habe sie einen Duisburger Rocker kennengelernt und begonnen, freiwillig in Wuppertal als Prostituierte zu arbeiten - sechs Tage in der Woche. Etwa ein Jahr lang sei sie kokainabhängig gewesen und habe ihr Leben ändern wollen.

Über Facebook zum IS

Auch von ihm soll sie sich getrennt haben, um sich wenig später über Facebook in den deutschen IS-Kämpfer Mario zu verlieben. Er habe sie nach Syrien gelockt. Dort angekommen, habe sie zunächst in einem IS-Frauenhaus wohnen müssen und ihn dann in einer provisorischen Prozedur geheiratet, weil zu der Zeit ein Angriff gedroht habe.

Vom IS habe sie in Deutschland nicht viel mitbekommen: "Ich wusste, die kämpfen, aber ich wusste nicht, wie extrem die sind", sagte sie. Sie stamme aus einer nicht religiösen Familie und habe das Beten erst lernen müssen. Zuletzt wurde übrigens der Dortmunder IS-Terrorist Lucas G. in Syrien festgenommen.

Schwanger von IS-Kämpfer

Aber auch Ihr Mann sei irgendwann gewalttätig geworden. Aus diesem Grund habe sie sich von ihm getrennt und sich in die Türkei abgesetzt. Dort stellte sie jedoch fest, dass sie schwanger sei. Sie kehrte im Anschluss zu ihrem Mann nach Syrien zurück.

Ihr Mann soll aber weiterhin gewalttätig gewesen sein. Nachdem er sie einmal beinahe erwürgt habe, sei sie auf eigene Faust zu einem Richter gefahren und habe von den Übergriffen ihres Mannes berichtet. Ihr Sohn sei in Mossul nach einstündigem Fußmarsch unter Wehen in einem Krankenhaus auf die Welt gekommen.

Bochumerin will nichts mit Terrorismus zu tun haben

Der Bild-Zeitung hatte Derya Ö. noch vor ihrer Festnahme im November 2018 Rede und Antwort gestanden und berichtet, dass ihr Ehemann Mario unter Spionageverdacht vom IS festgenommen, gefoltert und hingerichtet worden sei. Sie sei dann die Zweitfrau eines Scheichs geworden, der aber von einer Drohne getötet worden sei.

Einen Sprengstoffgürtel habe sie nur zur Selbstverteidigung besessen, schließlich sei sie oft auf sich alleine gestellt gewesen. Mit Terrorismus habe sie nichts zu tun haben wollen. Die Bundesanwaltschaft wirft der 27-jährigen Deutschen unter anderem Kriegsverbrechen und Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor. Sie soll Sprengstoffgürtel anderen deutschsprachigen Frauen zum Kauf angeboten haben. Der Prozess wird fortgesetzt, im Dezember soll ein Urteil fallen. Mit dpa-Material