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Rettet die Insekten: Mit diesem Motto rütteln Umweltverbände, Städte oder Medien derzeit die Menschen auf. Es geht um nicht weniger als die Verhinderung des Insektensterbens. Bunte Tüten mit Samen für Blumenwiesen sollen die Lösung sein. Doch aus Bochum kommt jetzt Kritik.

Die Stadt Bochum verteilte jüngst 10.000 Tüten mit einer Wildblumenmischung. Das Ziel: Die Bürger sollen dabei helfen, blühende Inseln zu schaffen, die Insekten Lebensraum und Nahrung bieten.

Inzwischen gibt es die bunten Samen-Tüten auch in fast jedem Super- oder Baumarkt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Bochum übt jetzt jedoch Kritik an den Mischungen.

Tüten mit Samen für nicht einheimische Blumen

Die Tüten enthielten in der Regel Samen von nicht einheimischen Blumen, die einjährig seien und zu keinem nachhaltigen, positiven Effekt in der Natur führten. „Sie nützen höchstens den häufigen Insektenarten“, heißt es in einer Veröffentlichung des Botanischen Vereins Bochum.

Die Autoren der Kritik-Schrift wissen, dass der Schutz der Insekten ein kompliziertes Themenfeld sei. Die Probleme des Insektensterbens seien bereits vor Jahrzehnten entstanden. Umso schwieriger sei eine gute Lösung.

„Lösung nicht einfach“

„Selbst innerhalb der Fachwelt herrschen gegensätzliche Auffassungen und Missverständnisse vor, sodass es nur logisch ist, dass sich eine Lösung nicht einfach, schnell und billig aus der Tüte zaubern lässt“, schreiben die Autoren Corinne Buch und Armin Jagel.

Die Ansaat von „Bienenweiden“ aus dem Baumarkt sei jedenfalls keine Lösung des Problems. „Sie dient höchstens der Beruhigung des ökologischen Gewissens, bedient kommerzielle Interessen und lenkt von politisch unbequemen Entscheidungen ab.“

„Wilder Aktionismus“

Die Verteilung von Wildblumenmischungen wie in Bochum bezeichnen die Autoren als „wilden Aktionismus“.

Doch Buch und Jagel haben nicht nur Kritik parat. Die jetzt erzielte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit – die durchaus positiv zu bewerten sei – müsse nun genutzt werden, um weitere Projekte anzustoßen.

Aktuelle Top-Themen:

Umdenken im Bereich der industrialisierten Landwirtschaft und Massentierhaltung sei einer der Wege. Aber auch die Bürger könnten ihren Teil beitragen – etwa durch die Unterstützung von Naturschutzverbänden und Insektenschutz im eigenen Garten (durch regionales Saatgut).