Verkehr

„Sofortmaßnahmen-Paket“ für Radverkehr in Bochum sorgt für Entsetzen: „Frechheit“

In Bochum wird eine Verbesserung der Rad-Infrastruktur gefordert. Über die jetzt vorgelegten Maßnahmen ist eine Partei empört.

Bochum – Der Bochumer Radverkehr soll ausgebaut werden. Das fordern Initiativen wie „RadEntscheid“ und „Radwende“ schon länger. Nun veröffentlichte die Stadtverwaltung ein neues „Sofortmaßnahmen-Paket“. Die Partei „Stadtgestalter“ sieht dieses allerdings als „Frechheit“.

StadtBochum
Bundesland NRW
Bevölkerung 364.628 (2019)

Bochums Radverkehr – Initiativen fordern Verbesserung

Bereits im April stellte das Bürgerbegehen „RadEntscheid“ einen Antrag mit mehreren Aspekten für die Verbesserung der Rad-Infrastruktur in Bochum. Unter anderem forderte die Initiative den Ausbau des Radverkehrsnetzes, mehr Sicherheit an Kreuzungen, Radschulwegpläne für Schüler und den Ausbau von Fahrradstellplätzen.

Diesen lehnte die Verwaltung jedoch ab. Der Antrag sei unter anderem zu „zusammenhanglos“, heißt es in der Ablehnungserklärung (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Die Stadt Bochum veröffentlichte jetzt ihren Antrag „Radverkehr in Bochum“. Der Antrag umfasst zwei Teilbereiche. Zum einen längerfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Radinfrastruktur. Zum anderen beinhaltet der Antrag sogenannte „Sofortmaßnahmen“ für die Jahre 2022 und 2023, die „relativ schnell ihre Wirkung entfalten“ würden.

Stadt Bochum plant neue Radwege zu bauen

So sollen beispielsweise pro Jahr rund sieben Kilometer zusätzliche Radwege entstehen, übrigens wird in Dortmund ebenfalls eine neue Fahrradstrecke gebaut. Darüber hinaus wird in Bochum gefordert, mehr Einbahnstraßen auf Rad-Tauglichkeit zu überprüft, oder auch Gefahrenstellen für Radfahrer zu analysieren und zu beseitigen.

Die Initiativen finden jedoch, dass die aufgelisteten Maßnahmen keinesfalls „Sofortmaßnahmen“ sind. Die Partei Stadtgestalter teilen diese Ansicht, wie RUHR24 erfuhr. „An den bislang nicht ausreichenden und verschleppten Maßnahmen hat man nun einfach ein Schild gehängt und deklariert sie als den großen Wurf“, so Ratsmitglied Dr. Carsten Bachert.

Bochum veröffentlicht „Sofortmaßnahmen“ – Stadtgestalter üben Kritik

Unter anderem soll nämlich zwischen Kurt-Schumacher-Platz bis zur Ferdinandstraße ein verbindender neuer Radweg entstehen, steht in dem Paket der „Sofortmaßnahmen“. „Das ist eine besondere Frechheit“, meint Bachert. Denn diese Maßnahme sei bereits im Radverkehrskonzept von 1999 als „Dringlichkeitsmaßnahme“ aufgelistet worden.

Die Stadtgestalter werfen der Stadtverwaltung und der Politik in diesem Zusammenhang vor, eine Verbesserung der Radverkehrslage nicht zu beabsichtigen. Der Entwurf solle die Bürger demnach nur beschwichtigen. „Hätten die Unterzeichner eine echte Verbesserung für den Radverkehr schaffen wollen, hätten sie einfach die konkreten Forderungen des ‚RadEntscheids‘ übernehmen können“, sagt Dr. Bachert.

Bochum verbessert Radverkehr: Partei übt gezielt Kritik

Bochum wird für „Sofortmaßnahmen“ kritisiert – Grüne verteidigen Paket

Die Grünen sind da anderer Meinung. Sie sehen das Paket als Fortschritt und geben auch den Umfang der Vorhaben zu bedenken. „Radwege werden im Vollausbau oft in Kombination mit anderen Baumaßnahmen, wie Entwässerung, angelegt. Dazu kommt, dass im Bestand gebaut wird, weshalb der Verkehrsraum in der Regel neu geordnet werden muss“, so der Vorsitzende des Ausschusses für Mobilitätswende und Infrastruktur, Rapheal Dittert.

Das Maßnahmenpaket zeige daher, dass die Anliegen der 17.000 Unterschriften ernst genommen würden. In den kommenden Jahren sollen laut Grüne an vielen Stellen der Stadt der Autoverkehr ausgebremst werden. Auch in der Bochumer Innenstadt ist geplant, Autos fast gänzlich zu verbannen.

Das reicht den Stadtgestaltern allerdings nicht. Sie wollen einen weiteren Anlauf nehmen, um den Radverkehr in Bochum nach ihren Vorstellungen zu verbessern. „Die Mittel für den Ausbau von Radwegen wollen wir von rund einer Million auf 9,5 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Statt nur 5 Kilometer pro Jahr wären so rund über 70 Kilometer neue Radwege möglich“, kündigt Bachert an.

Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24

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