Covid-19-Patienten genesen

Interview: Paar aus Bochum (67, 63) hat das Coronavirus überstanden: "So wurden wir wieder gesund"

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Elke und Gerd Döring aus Bochum haben das Coronavirus überlebt.

Ein Paar aus Bochum hat das Coronavirus überstanden. Im Interview mit RUHR24 sprechen die Ex-Covid-19-Patienten über die Krankheit und das Erlebte.

  • Ein Ehepaar aus Bochum hat sich im Südtirol-Urlaub mit dem Coronavirus infiziert.
  • Inzwischen sind die Eheleute aus dem Ruhrgebiet wieder gesund und haben kein Covid-19 mehr.
  • Im RUHR24-Interview erzählen sie, wie es ihnen in Quarantäne ergangen ist.

Bochum - Elke und Gerd Döring (63 und 67) haben das Coronavirus überlebt. Offenbar im Urlaub in Südtirol steckten sich die Eheleute aus Bochum mit dem Virus an. Im Interview mit RUHR24.de sprechen die beiden über ihre Gedanken, Ängste und darüber, wie sie die Krankheit überstanden haben.

RUHR24: Frau und Herr Döring, schön, dass sie das Coronavirus überstanden haben. Erzählen Sie mal, wie kommt man in so einen Schlamassel?

Elke Döring: "Wir waren Ende Februar in Südtirol im Skiurlaub, in Wolkenstein. Auch der Bruder meines Mannes, seine Frau und deren Kinder waren dabei. Zum Urlaubsende bekam mein Schwager starken Husten, fühlte sich krank. Den letzten Skitag lag er im Bett. Mein Mann ist da noch mit seinem Neffen Ski gefahren."

Wie ging es dann weiter?

Elke Döring: "Ein paar Tage später bekam auch mein Mann Schüttelfrost. Zurück in Bochum hatte er dann auch leichtes Fieber und fühlte sich schlapp."

Coronavirus: Paar aus Bochum steckt sich im Südtirol-Urlaub an

Haben sie da schon über das Coronavirus nachgedacht?

Elke Döring: "Wir wussten, dass es in Wolkenstein, dem Ort, in dem wir Urlaub gemacht haben, einen Corona-Fall gegeben hatte. Ein Mann aus Baden-Württemberg hatte sich infiziert, wie wir erfahren haben."

Was haben sie dann unternommen, als sie zurück in Bochum waren?

Elke Döring: "Wir haben sofort unsere Hausärztin angerufen. Südtirol war zu diesem Zeitpunkt noch kein Risikogebiet. Unsere Ärztin hat dennoch das Gesundheitsamt informiert. Später meldete sich dann ein Mitarbeiter des Amtes bei uns. Obwohl er wusste, dass Südtirol kein Risikogebiet ist, ließ er vorsichtshalber einen Test von meinem Mann nehmen. Zwei Tage später hatten wir die Gewissheit: Mein Mann hatte das Coronavirus."

Bochum: Coronavirus-Verdacht bei Paar - "freiwillige Quarantäne"

Waren Sie in dieser Zeit mit anderen Menschen in Kontakt?

Elke Döring: "Nein, wir hatten uns vorsichtshalber eigenständig in Quarantäne begeben. Ich selbst war nur kurz raus zum Einkaufen. Meine Eltern, beide 88 Jahre alt, habe ich nur noch per Telefon kontaktiert. Zum Glück: Denn auch mein Test auf das Coronavirus fiel positiv aus - obwohl ich fast keine Symptome hatte.

Elke und Gerd Döring aus Bochum haben das Coronavirus überlebt. Im Skiurlaub in Wolkenstein (Südtirol) steckte sich das Ehepaar mit dem Erreger an.

Das Komische war, dass mein Schwager, obwohl er die stärksten Symptome hatte, negativ auf das Coronavirus getestet wurde. Seine Frau und die zwei Kinder dagegen haben sich infiziert."

Was ging Ihnen bei der Diagnose "Coronavirus" durch den Kopf?

Elke Döring: "Wie beiden waren da sehr entspannt. Zwischenzeitlich ging es meinem Mann sehr schlecht mit diesem blöden, trockenen Husten. Es wurde einfach nicht besser. Wir haben dann nochmals Kontakt zum Gesundheitsamt aufgenommen."

Hausmittel gegen das Coronavirus: Paar aus Bochum setzt auf Kamille

Was hat man Ihnen dort geraten?

Elke Döring: "Die zuständige Ärztin hat uns die Angst genommen, da mein Mann kein Fieber hatte. Sie hat uns zu normal zugänglichen, pflanzlichen Arzneimitteln gegen den trockenen Husten und zur Schleimlösung geraten. Außerdem hat mein Mann Dampfbäder mit Kamille gemacht, um die Bronchien zu beruhigen."

Hatten Sie selbst, Frau Döring, denn gar keinen Husten?

Elke Döring: "Nein, ich hatte nur leichte Kopfschmerzen und Schnupfen. Es fühlte sich so an wie Heuschnupfen, was vielleicht aber auch mit den ersten herumfliegenden Pollen zu tun haben könnte."

Waren sie überrascht, dass es sie getroffen hat mit dem Coronavirus?

Elke Döring: "Eigentlich schon, denn wir sind beide sehr sportlich und viel an der frischen Luft und daher auch nicht so oft krank."

Coronavirus überstanden: Paar aus Bochum spürt Dankbarkeit

Sie sind jetzt geheilt, das Coronavirus ist für sie gegessen - wie gehen Sie damit um?

Elke Döring: "Es ist natürlich für uns ganz positiv, zumal wir jetzt auch wieder meine Eltern versorgen können und in der Nachbarschaft so viel helfen können, wie möglich. Wir selbst haben während der Erkrankung sehr viel Solidarität erfahren und wurden super versorgt. Wir wurden bekocht, man hat uns Zeitungen überlassen, Spiele geschenkt. Das hat uns viel Mut gemacht. Dafür möchten wir uns bedanken."

Wer sind diese Menschen, die Ihnen in den Tagen der Quarantäne geholfen haben?

Elke Döring: "Das waren Freunde, Nachbarn und die Familie."

Jetzt wo sie das Coronavirus überstanden haben: Was raten sie Menschen, die aktuell infiziert sind, was sollten die tun?

Elke Döring: "Das kommt natürlich immer darauf an, wie man sich fühlt. Meinem Mann ging es nicht so gut. Ich dagegen hatte wenig Symptome und Lust, etwas zu tun. Leider war das Wetter für den Garten zu dem Zeitpunkt nicht so schön. Ich habe mir in der Zeit der Quarantäne dann einfach selbst beigebracht, wie man Fotobücher erstellt. Außerdem habe ich viel telefoniert, viel gelesen. Es ist wichtig, dass man seinen Tag weiterhin gut strukturiert und sich Sachen vornimmt."

Tägliche Anrufe wegen Coronavirus? Kein Problem

Inwiefern freut man sich eigentlich über tägliche Anrufe und Nachfragen? Nervt das nicht irgendwann?

Elke Döring: "Nein, überhaupt nicht! Ich habe mich über jeden Anruf sehr gefreut. Meine Freundin und meine Schwester zum Beispiel haben täglich angerufen und gefragt, wie es uns geht."

Herr Döring, was hat Ihnen geholfen in der Quarantäne und der Zeit mit dem Coronavirus?

Gerd Döring: "Es war für mich wichtig, dass ich mich aktiv mit dem Thema auseinandersetze. Ich habe mich viel über wissenschaftliche Studien informiert. Den Podcast im NDR von Professor Drosten..."

... dem Leiter der Virologie an der Berliner Charité...

"... fand ich zum Beispiel sehr interessant. Es war für mich spannend die Entwicklung des Coronavirus zu verfolgen."

Macht man sich nicht eher verrückt, ständig die neusten Nachrichten im Blick zu haben?

Gerd Döring: "Im Gegenteil: Mich hat es eher beruhigt. Dadurch habe ich erfahren, dass 80 Prozent der Erkrankten nur leichte Symptome haben. Ich selbst hatte ja auch nichts Schlimmes. Und es war dann ja auch klar, dass das Ganze nach etwa zwei Wochen vorbei sein würde."

"Groteske" Szenen trotz Coronavirus in Bochum

Inzwischen gibt es für die Menschen in Nordrhein-Westfalen starke Einschränkungen im öffentlichen Leben - was halten Sie davon?

Gerd Döring: "Ich finde eine Ausgangsbeschränkung gut. Was ich in Bochum in den letzten zwei Wochen gesehen habe, das war grotesk. Ich war in einem Baumarkt, der war so voll, da waren ganze Familien zusammen unterwegs. Diese Unbedarftheit von vielen Menschen - da hört bei vielen der gesunde Menschenverstand auf."

Was meinen Sie konkret?

Gerd Dörong: "Diese Denkweise von vielen jungen Menschen nach dem Motto 'Ich bin jung, mir kann nichts passieren' ist egoistisch. Jeder kann Überträger des Coronavirus sein. Und von da aus kann das Virus wieder jemanden treffen."

Ist denn derzeit alles negativ, oder haben Sie auch Hoffnung für die Zukunft?

Gerd Döring: "Was mir Mut macht, ist, dass es sehr viel Hilfsbereitschaft gibt. Ich hoffe, dass die Coronavirus-Epidemie manche Menschen zum Innehalten bewegt und danach eine Art Wir-Gefühl entsteht."

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