Diversität

Bochumer Stadtbücherei hat jetzt einen eigenen Bereich für die LGBTQIAP+ Szene

In der Bochumer Stadtbücherei gibt es seit Sommer einen neuen Bereich mit besonderer Literatur. Doch in der „Gender Bib“ gibt es mehr als nur Bücher.

Bochum – Toleranz gegenüber der LGBTQIAP+-Szene ist aktuell ein viel diskutiertes Thema. Nicht erst seit den homophoben Äußerungen des katarischen WM-Botschafters sorgt das Thema für Zündstoff. In Bochum wurde laut der Stadtverwaltung in der Stadtbücherei der Bereich „Gender, Love & Co.“ (kurz: Gender Bib) am 13. Juni feierlich eröffnet – und das soll erst der Anfang sein.

Neue „Gender Bib“ in der Bochumer Stadtbücherei eröffnet – mehrere Initiativen beteiligt

LGBTQ (Lesbian, Gay, Bixexual, Transgender, Queer) wird den meisten wohl mittlerweile ein Begriff sein. Der Zusatz „IAP+“ beinhaltet dazu noch „Intersex“, „Asexual“ und „Pansexual“. Gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bochum, dem psychosozialen Beratungszentrum „Rosa Strippe e.V.“, dem Schwulenreferat der AStA der Ruhr-Uni und Interessierten aus der Politik feierten die Mitarbeiter der Bibliothek den neuen Bereich.

Die Bandbreite der neuen Bücher in der Bochumer Stadtbibliothek ist bunt und breit gefächert, genauso wie die Bewegung selbst. Rund 400 Medien, von Mangas mit divers geschlechtlichen Akteuren, über Literatur für Erzieher bis hin Erfahrungsberichten, schmücken nun die Regale der Bochumer „Gender, Love & Co.“-Abteilung. Der Bereich soll sukzessive ausgebaut werden.

Bereich „Gender, Love & Co.“ in Bochumer Stadtbücherei bietet künftig Veranstaltungen an

Dass derartige Aufklärungsarbeit bei manchen Personen bitter nötig sein könnte, zeigen Fälle, bei denen LGBTQIAP+-Aktivisten körperlich angegriffen wurden. Deshalb begnügen sich die Szene und die Stadt Bochum auch nicht damit, nur belletristische und Sachliteratur zur Verfügung zu stellen.

Durch Vorträge, Lesungen und Aktionen soll die „Gender Bib“ bekannt gemacht werden, so die Stadt. Damit das gelingt, sollen zukünftig zwei Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek Bochum Veranstaltungen konzipieren und durchführen – im Idealfall mit anderen städtischen und nichtstädtischen Akteuren zusammen.

Veranstaltungen wie Vorträge und Lesungen in Bochumer Stadtbücherei sollen auf das Thema Geschlechteridentität hinweisen

Die Lesung der bekannten LGBTQIAP+ Autorin Lea Kaib, die im Anschluss an die Eröffnung des neuen Bereichs einen Einblick in ihr Buch „Love with Pride“ gegeben hatte, soll nur der Anfang gewesen sein. Vor rund zwei Monaten fand eine Lesung statt, in der die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal ihr Werk „Identitti“, das sogar mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet wurde, vorstellen durfte.

Gegenüber RUHR24 erklärte Filipe Tavares, Literaturarbeiter der Stadtbücherei Bochum, dass derartige Publikumsveranstaltungen fortan zweimal im Jahr stattfinden sollen. Man sei noch im Entwicklungsprozess und arbeite bei der Konzeptionierung mit der Rosa Strippe e.V. sowie mit dem Zentrum für queere Kultur & (sexuelle) Bildung „Fluid“ zusammen.

Vor allem jüngere Leser leihen sich bereits viel queere Literatur aus – Thema „hat sich hier schon etabliert“

Dass die angebotenen Werke nicht nur Staubfänger in den Regalen der Bochumer Stadtbibliothek sind, sondern auch tatsächlich gelesen werden, belegt eine Stichprobe vom 20. September 2022. Demnach waren 30 Prozent der Bücher tatsächlich ausgeliehen. Queere Literatur scheint im Ruhrgebiet durchaus eine Leserschaft zu haben.

„Das Thema hat sich hier schon etabliert, vor allem ein jüngeres Publikum sprechen wir mit dem neuen Bereich an“, erklärt Tavares stolz. Die Leserschaft scheint sogar Strapazen auf sich aufnehmen zu wollen. „Diejenigen, die sich dafür interessieren, müssen bei uns sogar ins Obergeschoss gehen, man muss also hoch!“ lacht er.

In der Bochumer Stadtbücherei gibt es seit dem Sommer 2022 einen Bereich „Gender, Love & Co.“

Stadtbibliothek zufrieden mit der Resonanz – Queere Literatur weckt Interesse bei Leserschaft

Mit der Resonanz zeigt er sich insgesamt sehr zufrieden: „Wir wollen auf das Thema gezielt hinweisen und unterstützen die Leute dabei gerne mit dem neuen Bereich und mit Veranstaltungen“.

Die Relevanz von geschlechterspezifischer Diversität in der Gesellschaft lässt sich nicht mehr bestreiten. Dadurch, dass Aktivistinnen und Aktivisten immer wieder auf das Thema aufmerksam machen, ist die Thematik wenig überraschend auch längst bis in die (Lokal-)Politik vorgedrungen.

Bochumer Stadtbibliothek will Rahmen für Veranstaltungen zum Thema Geschlechteridentität liefern

Gerade Bibliotheken eignen sich laut Bochumer Stadtverwaltung „hervorragend als niedrigschwellige und nichtkommerzielle Orte, um gesellschaftlich relevante Themen den Menschen zu vermitteln“. Für die queere Community wurde durch die Gender Bib ein Zufluchtsort geschaffen, der das Café freiRAUM in der Kortumstraße 143 ergänzt.

Rubriklistenbild: © Joker/Chromorange/Imago; Collage: Julian Kaiser/RUHR24

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