Strafen für gut gefüllte Sparkontos

Bank aus dem Ruhrgebiet lässt Sparer bluten - wen es trifft, überrascht

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Die GLS Bank in Bochum.

Eine Bank aus dem Ruhrgebiet verschärft ihre Strafzinsen. So sollen Kosten der Bank ausgeglichen werden. Betroffen sind über 2.400 Kunden der Bank. 

  • Wie viele andere Banken, gibt nun auch eine Bank aus Bochum ihre Kosten an die Kunden weiter.
  • Dafür verschärft die Bank ihre Strafzinsen für Sparer.
  • Den Banken entstehen immer größere Kosten durch die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank.

Bochum - Die Begründung für die Verschärfung der Strafzinsen ist so eindeutig wie ärgerlich - zumindest für Sparer. Denn durch die immer kleiner ausfallende Zinsmarge im Bankgeschäft, also des Gewinns den Banken durch die Erhebung von Zinsen einfahren, müssen Banken ihre Kosten auf anderen Weise ausgleichen. Auch in Bochum soll das jetzt für die Kunden eintreten.

Bochum: Bank erhebt Strafzinsen nur für bestimmte Sparer

Doch die GLS Bank Bochum überrascht dann doch - trotz der eigentlich ärgerlichen Ankündigung. Denn die Alternativbank will vor allem den Wohlhabenden, den reichen Sparern, ans Ersparte gehen. Höhere Strafzinsen will die Bank in Zukunft bei jenen Sparern erheben, die mehr als 250.000 Euro auf dem Konto haben. Wer so viel Geld besitzt, muss ab dem 1. April mit Gebühren von 0,5 Prozent auf seinem Guthaben rechnen.

Wie die GLS Bank weiter mitteilt, treffe das weniger als 2.400 Klienten. Bisher würden die Gebühren erst ab Einlagen von einer Million Euro erhoben. Doch das soll sich nun ändern.

Bochum: Gestiegene Kosten bei Banken

Bankchef Thomas Jorberg erklärte gegenüber der dpa, dass in der Vergangenheit Kreditnehmer durch die Entrichtung ihrer Zinsen weitgehend die Kosten der Bank in Bochum gedeckt hätten. Das sei nun vorbei. Größere Kosten entstehen derzeit bei allen Banken durch die Negativzinsen, die die Europäische Zentralbank seit längerem vergibt. Für Banken bedeutet der negative Zinssatz, dass sie, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, dafür 0,5 Prozent Minuszinsen zahlen. 

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Immer mehr Banken versuchen seitdem, die gestiegenen Kosten an ihre Kunden weiterzugeben - durch Kontoführungsgebühren, Schließungen von Filialen insofern noch welche vorhanden sind, oder andere Beiträge, die die Kunden entrichten müssen. Auch die GLS Bank in Bochum führte für alle Konten bereits 2017 einen Grundbeitrag von 60 Euro im Jahr ein.

Bochum: Bank setzt auf Nachhaltigkeit

Trotz dieser Gebühr verzeichnete die Bank im vergangenen Jahr ein kräftiges Wachstum. Das Betriebsergebnis verbesserte sich um gut 13 Prozent auf 40,4 Millionen Euro, heißt es vonseiten der Bank. Grund dafür könnte das Konzept, das der Bank zugrunde liegt, sein. Denn die ist auf Kredite an ökologisch wirtschaftenden Unternehmen spezialisiert. So überprüft die GLS-Bank ihre Fonds und die vergebenen Kredite darauf, ob sie dazu beitragen, die Erderwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Bankchef Joberg ist überzeugt, dass künftig alle Banken die Klimarisiken ihrer Kunden ermitteln müssten. Er sieht seine Bank als Vorreiter in der Branche. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) dringe schon jetzt darauf, dass Banken, Versicherer und Investmentfonds Nachhaltigkeitsrisiken stärker in ihre Risikobetrachtung einbeziehen.

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