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Das Ruhrgebiet war lange Zeit einer der zuverlässigsten Wirtschaftsmotoren Deutschlands. Reich an Bodenschätzen entwickelte sich das Revier zwischen Dortmund und Duisburg ab dem 19. Jahrhundert zu einer wahren Boom-Region. Zu Hochzeiten wurde in geschätzt gut 3.200 Zechen Kohle am Fließband gefördert. Dadurch bescherte das schwarze Gold auch der Stahlindustrie einen rasanten Aufstieg. Bis in die 1950er Jahre war das Ruhrgebiet das Mekka der deutschen Montanindustrie. Doch 1958 war auf einmal Schluss. Die Kohlekrise setzte der jahrhundertelangen Erfolgsgeschichte ein Ende. Plötzlich sanken die Kohlepreise in den Keller. Die generelle Nachfrage sank und zudem drängten aus dem Ausland Billiganbieter auf den Markt. Gleichzeitig offenbarte diese Krise noch ein weiteres Problem: Der Pott hatte sich zu lange auf nur einem Wirtschaftsstandbein ausgeruht. Die Folge: Hohe Arbeitslosigkeit und ein schleppend verlaufender Strukturwandel. Doch wie sieht es heute aus? Ist das Ruhrgebiet noch immer die Heimat der Abgehängten oder hat sich die Metropolregion mittlerweile in Wolfgang Petrys vielbesungene „grüne Oase zwischen Kohle und Stahl“ entwickelt?

Die Politik hat zu lange nur zugesehen

Im Großen betrachtet scheint sich das Ruhrgebiet teilweise immer noch in einer Art Dornröschenschlaf zu befinden. Die Arbeitslosenzahlen sind im Vergleich zum Rest Deutschlands nach wie vor erhöht – in Gelsenkirchen z. B. beträgt die Quote rund 15 Prozent. Zwar gibt es daneben Städte wie Bochum und Dortmund, die sich im Lauf der Zeit einigermaßen erholt haben. Im Norden bietet sich jedoch ein anderes Bild. In Bottrop oder Herne bröckeln graue Häuserfassaden. Zudem scheint sich gerade hier der oft zitierte Strukturwandel des Ruhrgebiets kaum breit zu machen. Schließlich wurde der Kohleabbau in NRW trotz des Rufs nach erneuerbaren Energien von der Politik viel zu lange künstlich am Leben gehalten – in erster Linie, um Arbeitsplätze zu retten. Da überrascht es nicht, dass Deutschlands letzte Zeche in Bottrop erst am 21. Dezember 2018 geschlossen wurde. Tatsachen wie diese erwecken den Anschein, als würde sich die Landesregierung vor tiefgreifenden Veränderungen verschließen. Innovationen sind aus dem Pott eher selten zu vermelden.

Junge Unternehmen zieht es in den Pott

Doch der schwarze Kohleschleier der Vergangenheit scheint sich mancherorts aufzulösen. Beispielsweise arbeiten die meisten Beschäftigten im Ruhrgebiet längst nicht mehr im produzierenden Gewerbe, sondern im Dienstleistungssektor. Zudem wird das Revier für Startups immer attraktiver. Die mittlerweile 22 Hochschulen ziehen junge und kreative Menschen an – das ideale Umfeld für zukunftsweisende Ideen. Zudem sorgt der attraktive Hebesteuersatz der Region (einfach zu ermitteln mit einem praktischen Rechner) dafür, dass sich nach und nach neue Unternehmen ansiedeln. Beispielsweise befindet sich auf einem ehemaligen Zechengelände in Bochum, wo zuvor Opel Autos produzierte, nun ein Institut für IT-Sicherheit. In Duisburg und Dortmund gibt es große Logistikzentren.

Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch

Daneben haben sich Gelsenkirchen und fünf weitere Metropolen in NRW ganz der Digitalisierung verschrieben. Der ruhr:HUB soll beispielsweise Startups fördern und die Region für weitere Unternehmen attraktiver machen. Für Konzerne ein wichtiger Faktor bei der Standortwahl. Schließlich laufen in den meisten Großkonzernen wichtige Prozesse fast nur noch auf digitalem Weg ab – sei es mit Hilfe von ERP-Systemen, einer Unternehmenssoftware, wie von diesem Anbieter, oder mit Anwendungen zur Planung der Warenwirtschaft. Die Zukunft hat schon jetzt längst begonnen und es scheint, als hätte der Ruhrpott nur auf den richtigen Moment gewartet, um seine Vergangenheit als Region der Wirtschaftskrisen langsam aber sicher hinter sich zu lassen.

Zeit für eine weitere Erfolgsgeschichte

Zusammengefasst hat das Ruhrgebiet heute immer noch mit ein paar wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, die nur durch umfassende politische Maßnahmen gelöst werden können. Einige Gegenden und Großstädte weisen beispielsweise nach wie vor eine tiefgreifende Strukturarmut auf, die durch die langherrschende Dominanz der Kohleindustrie verursacht wurde. Dennoch scheint mittlerweile aber auch ein neuer Wind durch den Pott zu wehen. Die Digitalisierung wird vielerorts als Chance auf einen erfolgreichen Neuanfang gesehen und dieser lässt aufgrund des unerschütterlichen Durchhaltevermögens der „Ruhrler“ vermutlich nicht mehr lange auf sich warten.