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Wie kommt man an eine Ausbildung, für die man nicht qualifiziert ist – sei es, weil man einen höheren Schulabschluss hat als gefordert, sei es, weil man die Erwartungen nicht erfüllt? In jedem Fall ist beides kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen!

Ausbildung trotz „falscher“ Qualifikation

Du willst mit deinem Fachabitur Bäcker werden?“ Wie oft hat Eric, 22, diesen Satz gehört. Kaum jemand verstand seine Entscheidung. Und Lilli, 19, die mit ihrem Hauptschulabschluss unbedingt Immobilienkauffrau werden wollte, musste sich immer wieder sagen lassen: „Bleib mal auf dem Teppich.

Das ist der Griff nach den Sternen.“ Überqualifiziert, unterqualifiziert? Das ist ein großes Thema bei der Bewerbung. Grundsätzlich gilt: Für jeden Ausbildungsberuf gibt es einen empfohlenen Schulabschluss. Doch der ist nicht in Stein gemeißelt.

Das Gesamtpaket muss stimmen

Selbstverständlich kann ein Abiturient einen Beruf ergreifen, in dem sonst viele Hauptschüler arbeiten. Und natürlich kann ein Hauptschüler sich um einen Ausbildungsplatz bewerben, für den das Abi gefordert wird. Doch wie sind die Aussichten auf Erfolg in der Praxis?

In einer Zeit, in der viele Unternehmen schon händeringend Auszubildende suchen, zählt heute der Schulabschluss nicht mehr allein. Wichtig ist vielmehr das „Gesamtpaket“.

Zwei Fragen sind dabei entscheidend:

1. Brennt der Bewerber oder die Bewerberin wirklich für den Beruf? Egal, welchen Beruf du ergreifen willst: Du solltest in deiner Bewerbung genau darstellen, was dich daran fasziniert. Das gilt insbesondere, wenn du (vermeintlich) über- oder unterqualifiziert bist oder – um es neutral zu sagen – die Anforderungen des Unternehmens hinsichtlich des Schulabschlusses nicht erfüllst.

Stelle in deiner Bewerbung dar, was dich – neben dem Schulabschluss – für den Beruf qualifiziert: Hast du bereits Praktika gemacht? Hast du besondere Einblicke, weil Familienangehörige oder Bekannte in dem Beruf arbeiten? Hast du besondere Fähigkeiten, die du in den Beruf einbringen kannst – und wenn ja, welche? Wie möchtest du dich in dem Beruf entwickeln?

Beispiele

  • Der Abiturient, der Bäcker werden will. Er betrachtet die Ausbildung als Basis für ein Studium der Ernährungswissenschaft. Oder: Er möchte sich später selbstständig machen.
  • Die Hauptschülerin, die Immobilienkauffrau werden will. Ihre Eltern haben eine Hausverwaltung, in der sie schon mitgearbeitet hat. Oder sie hat schon bei ganz vielen Umzügen mitangepackt und eine kreative Ader beim Einrichten von Wohnungen.

2. Passt der Bewerber oder die Bewerberin ins Unternehmen? In jedem Unternehmen gibt es eine bestimmte Unternehmenskultur. Mal möchte ein Unternehmen die „Besten der Besten“ haben und macht das natürlich auch an den Noten fest.

Mal glaubt ein Unternehmen daran, dass jeder eine Chance verdient, und fördert gerade junge Leute, die kein so gutes Zeugnis, aber trotzdem Träume haben. In dem einen Unternehmen sind Spezialisten gefragt, im anderen Generalisten, also solche, die einfach überall anpacken können.

Suche Geschichten zu deiner Wunsch-Ausbildung

Leider kann man vor einer Bewerbung nicht unbedingt hinter die Kulissen schauen. Allerdings haben heute die meisten (größeren) Unternehmen Erfahrungsberichte ihrer Auszubildenden auf ihrer Website. Suche hier nach einer Geschichte, die deiner ähnelt, und beziehe dich in deiner Bewerbung darauf.

Übrigens: Eric hat eine Ausbildungsstelle als Bäcker gefunden – obwohl ihn das eine Menge Überzeugungsarbeit gekostet hat. Und Lilli hat es mit einem qualifizierten Hauptschulabschluss geschafft, eine Ausbildungsstelle in einem kaufmännischen Beruf zu bekommen – allerdings erst nach einem längeren Praktikum.

3 Top-Tipps

Beginne auf jeden Fall schon ein Jahr vor deinem Schulabschluss damit, dich zu bewerben. So sammelst du Erfahrungen, ob und von welchen Unternehmen du eingeladen wirst. Du kannst bei Absagen auch um Feedback bitten – am besten unkompliziert per Mail:

Warum hat es mit einem Vorstellungsgespräch nicht geklappt? Wo kannst du an dir arbeiten, was solltest du an deiner Bewerbung verbessern? Menschen wie dir, die ein Ziel haben und dieses so selbstbewusst verfolgen, wird man in der Regel gerne helfen.

Sei offensiv

Schlage in deiner Bewerbung zum Schluss vor, in dem Unternehmen eine Woche probezuarbeiten. Immer mehr Unternehmen bieten den Bewerbern das nach einem Vorstellungsgespräch ohnehin an. Wenn du aber in die Offensive gehst, zeigt das dem Unternehmen, dass du wirklich großes Interesse hast.

Suche dir in dem Praktikum einen „Mentor“. Das ist jemand, der sich für dich einsetzt, wenn es darum geht, ob du die Ausbildung bekommst oder nicht. Sicher findest du während der Probetage jemanden (idealerweise einen Teamleiter oder eine Abteilungsleiterin), der dir besonders sympathisch ist und den du immer wieder ansprechen und ihm z. B. Fragen zur Ausbildung oder zum Unternehmen stellen kannst. Machst du da einen guten Eindruck, wird der- oder diejenige sich sicher bei den Personalverantwortlichen für dich einsetzen.

Die 100-Prozent- Bewerbung für Job und Ausbildung

Wenn du nicht alle Anforderungen einer Stelle erfüllst, muss deine Bewerbung unbedingt tiptop sein. Achte darauf, dass du hier zu 100 Prozent überzeugst: mit einem guten Erscheinungsbild und null Fehlern. Lass die Bewerbung auf jeden Fall noch zwei, drei andere Vertraute aus deiner Familie und deinem Freundeskreis lesen! 

Dieser Artikel erschien zuerst im „Treffer“, dem Ausbildungsmagazin der Ruhr Nachrichten.“