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Du hast Zusagen von mehreren Firmen? Mehrere Ausbildungsplätze? Dann gilt es, Entscheidungen zu treffen. Die Frage, ob und wie man mit mehreren Zusagen umgeht, ist zum einen eine Gewissensfrage, zum anderen hat sie aber auch rechtliche Aspekte.

Ausbildungsplätze: Mehrere gleichzeitig?

Ich bewerbe mich seit einigen Wochen und habe auch schon einige Absagen bekommen. Plötzlich und unverhofft habe ich die Qual der Wahl: Vor zwei Wochen hat mir ein Unternehmen nach einem Vorstellungsgespräch eine Stelle angeboten und ich habe zugesagt.

Insgeheim habe ich aber darauf gehofft, dass aus einer anderen Bewerbung noch etwas wird. Und während ich noch darauf warte, von diesem Unternehmen etwas zu hören, meldet sich ein anderer Betrieb und macht mir ein Angebot – das mir besser gefällt als das von dem Unternehmen, bei dem ich als erstes zugesagt habe. Das dritte Unternehmen wäre ja auch noch im Rennen … Was tue ich jetzt?

Mirco B., 18 Jahre  

Viele Schülerinnen und Schüler wären sicher froh, in Mircos Situation zu sein – nämlich dann, wenn sie bislang nur Absagen bekommen haben. Allerdings kann es vorkommen, dass sich die Lage schnell anders darstellt – und dann gilt es, Entscheidungen zu treffen. Die Frage, ob und wie man mit mehreren Zusagen umgeht, ist zum einen eine Gewissensfrage, zum anderen hat sie aber auch rechtliche Aspekte.

Grundsätzlich ist es immer wichtig, mit offenen Karten zu spielen. Denn auch bei der Bewerbung gilt, wie so oft im Leben: Man sieht sich immer zweimal. Ein Unternehmen, das du zu lange hinhältst und mit dem du nicht ehrlich kommunizierst, scheidet möglicherweise auf lange Sicht als Arbeitgeber aus. Kannst du das verschmerzen?

Recht auf Entscheidung

Allerdings ist es auch dein gutes Recht, dir die für dich beste Ausbildung herauszupicken. Oft ist es ja so: Man bewirbt sich für seinen Traumberuf, der bei vielen Schülerinnen und Schülern sehr begehrt ist, sowie um einen Beruf, der einen etwas weniger interessiert und oft auch nicht so überlaufen ist. Oder bei dem es nicht so sehr auf die Noten ankommt …

Und natürlich kommt die erste Zusage dann aus dieser Richtung. „Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach“, sagt ein altes Sprichwort – und natürlich nimmst du die Ausbildungsstelle* an.

Niemand kann dir verwehren, dass du noch auf ein besseres Angebot wartest – und es dann auch annimmst. Die Höflichkeit gebietet es aber, dem anderen Unternehmen direkt abzusagen. Schließlich stehen dort ja vielleicht Kandidaten auf der Warteliste, für die diese Stelle die absolute Traumstelle wäre.

Mündliche oder schriftliche Zusage?

Bei einer mündlichen Zusage ist es leichter, abzusagen als bei einer schriftlichen bzw. nach der Vertragsunterzeichnung. Denn Verträge sind rechtlich bindend. Hast du einen Vertrag unterschrieben, musst du die Ausbildung auch antreten. Die meisten Unternehmen werden mit dir aber sicher einen Aufhebungsvertrag schließen.

Denn wenn du deine Ausbildung nur mit Zähneknirschen und/oder Bauchschmerzen antrittst, hat das Unternehmen ja nichts davon. In solchen Fällen solltest du unbedingt schnell das Gespräch suchen und sehen, wie das Gegenüber reagiert. Besteht das Unternehmen auf dem Vertrag, solltest du dich rechtlich beraten lassen.

Ausbildungsplätze: Sei höflich bei der Absage

Bei weniger förmlichen Zusagen reicht auch eine gut formulierte, persönlich gehaltene Mail. Dabei solltest du sich auf jeden Fall für die Chance bedanken, dich noch einmal lobend über das Unternehmen äußern („Ich habe mich bei Ihnen sehr wohl gefühlt.

Das Vorstellungsgespräch war sehr angenehm und ich konnte mir sehr gut vorstellen, bei Ihnen zu arbeiten.“) und dann auch den Grund nennen, warum du dich anders entschieden hast „Ich habe jetzt allerdings noch eine Zusage von einem Unternehmen erhalten, das ich besser erreichen kann.“

Oder: „… eine Zusage für einen Ausbildungsberuf bekommen, der mir noch ein wenig besser liegt.“ Dabei gilt: bei der Absage nicht zu ehrlich sein! Wenn du woanders mehr Geld bekommst oder bessere Arbeitszeiten hast und das so schreibst, wirkt das nicht besonders sympathisch.

* Im Übrigen gilt das auch bei Bewerbungen um Studienplätze!

Dieser Artikel erschien zuerst im „Treffer“, dem Ausbildungsmagazin der Ruhr Nachrichten.“