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Du weißt nicht, was du werden sollst – Hauptsache: Es hat Zukunft!? Garantien gibt es bei der Berufswahl leider nie. Doch diese Berufe sind nach heutigem Stand auch über den Tag hinaus gefragt. Wetten, dass so einige dabei sind, die du nicht auf dem Schirm hattest?

Woher weiß man, ob ein Job von heute Zukunft hat? Prognosen von Behörden oder wissenschaftlichen Einrichtungen gehen danach, wie hoch der Bedarf an Arbeitskräften heute ist und wie groß die Lücke zwischen besetzten und freien Stellen ist. Sie achten aber auch darauf, wie das Altersgefüge in den Branchen ist.

Der Wandel der Berufe

Arbeiten dort heute überdurchschnittlich viele Über-50-Jährige, dann wird die Nachfrage in zehn, 15 Jahren sehr hoch sein, weil die Älteren in Rente gehen. Tatsächlich mangelt es heute schon in jedem fünften Ausbildungsberuf an Nachwuchs, so das Institut der Deutschen Wirtschaft mit Sitz in Köln.

Trotzdem gibt es immer mal wieder unvorhergesehene Ereignisse – oder auch Erfindungen wie das Internet. Vor zehn Jahren hätte keiner Berufe wie Social Media Manager, E-Commerce-Kaufmann oder Web-Entwickler auf der Rechnung gehabt. Eine Erhebung eines Instituts im Auftrag des Personaldienstleisters ManpowerGroup hat ergeben, dass 65 Prozent der Berufe mit Zukunft heute noch gar nicht existieren.

Junge Menschen haben Zukunftschancen

Doch alle Experten sind sich einig, dass junge Leute in den folgenden Branchen auch über Jahrzehnte gut aufgehoben sind und jede Menge Potenzial haben, sich weiterzuentwickeln. Die Berufe und Ausbildungsordnungen werden sich allerdings sicher den vielen neuen spannenden Entwicklungen, die auf uns warten, anpassen – und das ist auch gut so!

Medizin

Wer einmal versucht hat, einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen, spürt ihn schon: den Ärztemangel! Aber auch Hausärzte werden über kurz oder lang gesucht: Rund 6.000 der über 11.000 Hausärzte in Nordrhein-Westfalen sind bereits älter als 55 Jahre.

Zum Wintersemester 2019/20 hatte das Land daher auch schon eine sogenannte Landarztquote bei Medizinstudiengängen eingeführt. Studierende, die sich vertraglich verpflichten, zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten, können sich – unabhängig vom üblichen Numerus clausus – auf einen der rund 170 speziellen Landarzt-Studienplätze bewerben. Man muss aber nicht studieren, um in der Medizin Karriere zu machen …

Ausbildung:

Chirurgisch-technische Assistenten (CTA) unterstützen den Arzt im OP, bereiten Operationen vor und legen auch selbst Hand an. Das Berufsbild ist noch relativ neu, die Ausbildung wird von Krankenhäusern angeboten. Voraussetzung sind das Abitur oder die Fachhochschulreife. Die Ausbildungsvergütung liegt um 900 Euro im ersten Jahr und um 1.100 Euro im dritten Jahr.

Gut zu wissen

CTA wird auch als Weiterbildung für Gesundheits- und Krankenpfleger sowie für medizinische Fachangestellte angeboten!

Ein Beruf im Bereich Technik

Dich interessieren Fächer wie Informatik und das Ingenieurwesen, aber ein Studium kannst du dir nicht vorstellen? Wie wäre es dann mit einer naturwissenschaftlich-technischen Ausbildung?

Vor allem zwei Berufe sind im Handwerk und in der Industrie besonders gefragt. Bei Elektronikern und Mechatronikern gibt es schon heute jede Menge unbesetzte Stellen, so das Institut der Deutschen Wirtschaft. Deshalb muss dringend Nachwuchs her. So kommst du an diese Jobs.

Ausbildung:

Elektroniker. Das Arbeitsfeld ist riesig und du kannst zwischen den drei Fachrichtungen „Energie- und Gebäudetechnik“, „Automatisierungstechnik“ und „Informations- und Telekommunikationstechnik“ wählen. Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre und endet mit der Gesellenprüfung.

Empfohlen wird der Realabschluss. Aber auch Hauptschüler, die Interesse an Elektronik haben und gut in Mathe oder naturwissenschaftlichen Fächern sind, haben bei vielen Unternehmen sicher gute Chancen. Die Ausbildungsvergütung liegt im ersten Jahr bei rund 750 Euro und klettert im vierten Jahr auf 930 Euro.

Mechatroniker:

Ob Waschmaschinen oder Röntgengeräte, Züge oder Windkraftanlagen: Mechatroniker sind in den unterschiedlichsten Branchen gefragt. Grundsätzlich baust, montierst, installierst und wartest du mechatronische Systeme – mal für kleinere Produkte, mal für riesige Systeme. Auch diese Ausbildung dauert 3,5 Jahre. Voraussetzungen und Vergütung sind vergleichbar mit dem Elektroniker.

Weiterbildung:

Sowohl als Elektroniker als auch als Mechatroniker kannst du deinen Meister machen. Damit steigt später auch dein Einkommen. Mit dem Meister hast du aber auch die Möglichkeit, noch ein Studium anzuschließen. Außerdem gibt es viele Weiterbildungsmöglichkeiten, z. B. zum Technischen Fachwirt. In diesen Berufen wird es nicht langweilig und die Arbeit geht dir nicht aus.

Gut zu wissen

Elektroniker und Mechatroniker sind klassische Männerberufe. Tatsächlich ergreifen heute auch noch überwiegend Jungs den Beruf. Tatsache ist aber: Unternehmen freuen sich auf Bewerbungen von Mädchen. Diese Handwerks- und Industrieberufe werden übrigens oft auch besser bezahlt als klassische Frauenberufe.

IT-Berufe

Der Mangel an IT-Fachkräften zeigt sich nicht zuletzt darin, wie viele offene Stellen es gibt: Ende des vergangenen Jahres waren das 82.000 – ein Anstieg um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so der Digitalverband Bitkom. Keine Frage: Softwareentwickler, Programmierer & Co. sind gefragt – und sie werden es auch bleiben, wenn man sieht, wie viel Potenzial die Digitalisierung noch besitzt.

Ausbildung:

Wie wäre es mit einer Ausbildung zum Fachinformatiker? Die wird in zwei Fachrichtungen angeboten: Als Fachinformatiker Anwendungsentwicklung bist du der Spezialist für Programmiersprachen und entwickelst neue Software, testest Anwendungen und schulst Nutzer; als Fachinformatiker Systemintegration pflegst und wartest du die bestehende Hard- und Software, berätst Kunden aber auch bei der Anschaffung und dem Einsatz neuer Systeme.

Für die Ausbildung brauchst du in der Regel die mittlere Reife, aber gerade in diesem Beruf kommt es sehr auf technisches Verständnis an – und wenn du da beispielsweise schon Praxiserfahrung durch das Warten der Computer von Oma und Onkel hast, kannst du möglicherweise auch mit einem Hauptschulabschluss punkten. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Man startet mit einem Entgelt von um die 900 Euro pro Monat und kann im dritten Jahr auf 1.000 Euro und mehr kommen.

Schön gehört?

MATSE ist kein Jungenname, sondern die Abkürzung für den Ausbildungsberuf des  mathematisch-technischen Softwareentwicklers. Hier brauchst du nicht nur Programmier-Know-how, sondern auch gute Mathekenntnisse.

Denn als MATSE tauchst du ganz tief in die Welt der Codes ein – ohne Informatik studieren zu müssen. Voraussetzung dafür ist das Fachabitur. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Oft wird der MATSE auch als duales Studium angeboten.

Soziales: tolle Berufe finden

Seit ein paar Jahren gibt es jedes Jahr mehr Erzieher und Betreuer in Kindergärten, Horten und Co. Allerdings reicht das noch nicht, zeigt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Demnach wären bundesweit rund 215.000 weitere Betreuer nötig, um in den nächsten Jahren genügend Kitaplätze anbieten und eine optimale Betreuung gewährleisten zu können.

Die meisten Betreuungskräfte fehlen bei uns in Nordrhein-Westfalen. Dort wären 43.600 Betreuer nötig, um die aktuelle Lücke zu schließen und eine optimale Betreuung anzubieten. Das ist deine Chance!

Ausbildung:

Die Ausbildung zum Erzieher bzw. zur Erzieherin ist eine schulische. Das heißt, du besuchst eine Fachschule für Sozialwesen im Fachgebiet Sozialpädagogik, in Dortmund etwa das Anna-Zillken-Berufskolleg, das Rudolf Steiner Berufskolleg oder das Gisbert-von-Romberg-Berufskolleg.

Zwei Jahre drückst du dort die Schulbank, im dritten Jahr machst du ein Berufspraktikum. Wer von der Schule direkt in die Ausbildung will, braucht mindestens die Fachoberschulreife, die man z. B. nach der 10. Klasse in der Gesamtschule hat. Voraussetzung für die Aufnahme sind zudem praktische Erfahrungen von bis zu 900 Stunden, also z. B. ein rund sechsmonatiges Praktikum.

Während man in der Schule ist, verdient man nichts. Man muss allerdings in der Regel auch kein Schulgeld zahlen. Im berufspraktischen Jahr allerdings erhält man, je nach Träger und Einrichtung, immerhin zwischen 700 und 1.100 Euro pro Monat.

Schon gehört?

Seit neuestem gibt es auch eine praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher – die sogenannte PiA. Das Modell ähnelt dem dualen Studium. Man arbeitet von vorneherein schon im Unternehmen, also im Kindergarten, Jugendzentrum etc. Die Ausbildung wird von Anfang an vergütet, beginnend mit 350 Euro pro Monat. Achtet hier also auf Stellenanzeigen!

Gesundheit: ein großes Berufsfeld

Hättest du gedacht, dass in der Altenpflege in Deutschland heute schon mehr Menschen arbeiten als in der Automobilindustrie? Und: Altenpflege ist allein schon deshalb ein Zukunftsmarkt, weil die Menschen immer älter werden.

In den vergangenen 30 Jahren stieg die Zahl der über 70-Jährigen in Deutschland von acht auf 13 Millionen an – bei fast gleichbleibender Einwohnerzahl. In der Altenpflege herrscht schon heute ein Fachkräftemangel. Der Nachwuchs ist also gefragt und kann mit sicheren Jobs rechnen.

Ausbildung:

Altenpfleger/in. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Im öffentlichen Dienst beispielsweise erhalten Auszubildende eine Vergütung von 1.141 Euro, im dritten Jahr 1.303 Euro pro Monat.

Gesundheits- und Krankenpfleger/in. Die Ausbildung dauert ebenfalls drei Jahre. Die Vergütung liegt durchschnittlich leicht unter der für Altenpfleger.

Weiterbildung:

Nach der Ausbildung kannst du dich beispielsweise zur Palliative-Care-Pflegefachkraft oder zum Praxisanleiter weiterbilden oder dich durch ein (berufsbegleitendes) Studium aus dem Bereich Pflegemanagement für leitende Funktionen in Krankenhäusern, stationären oder ambulanten Pflegeeinrichtungen fit machen.

Gut zu wissen

Als Altenpfleger hat man später viele Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Teilzeitmodelle werden fast überall angeboten. Auch das Ansehen von Altenpflegern steigt!

Dein Job im Bereich Logistik

Deutschland ist Logistik-Weltmeister! Im vergangenen Jahr kürte die Weltbank Deutschland zum dritten Mal in Folge nach 2014 und 2016 zum Top-Standort unter 160 Ländern. Die Logistik gehört zu den zukunftsträchtigsten und spannendsten Branchen überhaupt.

Denn hier tut sich derzeit jede Menge in Sachen Digitalisierung – ob im Lkw, im Lager oder im Logistikmanagement. Zwar werden in der Logistik in den nächsten Jahrzehnten auch viele Aufgaben von technischen Systemen, sprich: Robotern, übernommen werden. Doch es werden nach wie vor Datenspezialisten und Koordinatoren gebraucht. Berufe in der Logistik werden damit, so die Prognosen, entsprechend anspruchsvoller.

Ausbildung:

Logistik ist einerseits eine eigene Branche, andererseits werden Logistiker in vielen anderen Branchen benötigt: ob im Handel oder in der Industrie. Das Spektrum der Ausbildungsberufe ist breit gefächert: Es reicht von Kaufleuten im Groß- und Außenhandel Logistik über Fachkräfte für Lagerlogistik und Fachlageristen bis hin zu Berufskraftfahrern.

Hier findest du garantiert den Beruf, der zu dir passt. Die Vergütung im kaufmännischen Bereich liegt durchschnittlich zwischen 800 und 900 Euro pro Monat, im gewerblichen Bereich ist sie um 150 bis 200 Euro höher – je nach Ausbildungsjahr und Unternehmen, versteht sich.

Gut zu wissen

Logistik kann man auch studieren. Die TU Dortmund gehört zu den renommiertesten Universitäten in diesem Bereich!

Du interessierst dich für eine Ausbildung im Handwerk? Dann nimm Kontakt zur HWK-Ausbildungsberatung, Tel. 0231 5493-33, auf. E-Mail: ausbildungsberatung@hwk-do.de

Zitat

Ob im Bau-, Ausbau-, Nahrungsmittel-, Kfz-, Dienstleistungs- oder Gesundheitsgewerbe: Handwerker sind in vielen Zukunftsfeldern unterwegs. Sie nutzen modernste Technik, arbeiten zunehmend international und digital und finden immer wieder neue Lösungen. Hörakustiker sorgen mit kleinen Geräten für großartigen Sound, Mechatroniker für Kältetechnik machen die Computerchip-Produktion staubfrei und Elektroniker lassen Gebäude „smarter“ werden – vom Wohnhaus bis zum Flughafen.

Das Handwerk zeigt also mit vielen Gesichtern, wie zukunftsweisend es wirklich ist. Es bietet tolle Entwicklungsperspektiven, egal ob mit Haupt-, Realschulabschluss oder Abitur. Karriere machen und aufsteigen geht gerade im Handwerk. Nach der Gesellenprüfung ist der direkte Start in die Meisterausbildung und dann der Schritt in die Selbstständigkeit möglich – viele Handwerksbetriebe stehen zur Übergabe an und suchen Nachfolger. Und: Meister verdienen oft sogar mehr als Akademiker und sind im Schnitt seltener arbeitslos.

Tobias Schmidt, Leiter der Abteilung Ausbildungsberatung und Nachwuchswerbung der Handwerkskammer Dortmund

Dieser Artikel erschien zuerst im „Treffer“, dem Ausbildungsmagazin der Ruhr Nachrichten.“