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Nach der Schule eine eigene Bude: Das lässt sich finanziell oft nur darstellen, wenn man sich die Wohnung mit jemand anderem teilt. Worauf es in einer WG ankommt – alle Infos.

WG: So funktioniert´s

Nach der Schule eine eigene Bude: Das lässt sich finanziell oft nur darstellen, wenn man sich die Wohnung mit jemand anderem teilt. Worauf es bei Wohngemeinschaften ankommt – alle Infos.

2 ZKDB: Für kleine Geldbeutel

Die Abkürzung im Titel steht für „Zwei Zimmer, Küche, Diele, Bad“. Hier ist also Platz für eine Zweier-WG. In der hat jeder ein abgeschlossenes Zimmer, die Küche wird gemeinsam genutzt. Gilt bei 3 ZKDB natürlich ebenso.

Gut zu wissen. Bei Zwei-Zimmer-Wohnungen sind die beiden Zimmer in der Regel nie gleich groß, weil die Architekten ein (größeres) Wohnzimmer und ein (etwas kleineres) Schlafzimmer geplant haben. Das Wohnzimmer hat dann auch oft noch einen Balkon. Bei einer 3-Zimmer-Wohnung ist das dritte Zimmer oft als Kinderzimmer gedacht und, wenn man Pech hat, noch kleiner als das (Eltern-)Schlafzimmer.

Gemeinsam im Haushalt arbeiten

Das macht man gemeinsam. Gerade in älteren Häusern ist die Küche oft groß genug, dass man noch einen Küchen- bzw. Esstisch in den Raum stellen und dort auch Gäste bewirten kann. Meist kochen die WG-Bewohner zusammen und essen auch gemeinsam. Hat einer Gäste, ist der andere auch immer willkommen, sich dazuzusetzen und mitzuessen. Für den „gemütlichen Teil“ verzieht sich dann jeder in sein Zimmer.

Das macht man getrennt. In den Zimmern ist Platz für Bett, Schrank, Schreibtisch und ggf. auch noch für ein Sofa oder einen Sessel als Rück­zugsort. In diesem Modell hat auch jeder seinen eigenen Fernseher. Oft hängt man aber dann doch abends in einem Zimmer zusammen ab.

Immer ein wachsames Auge haben

Achtung Falle. Unbedingt darauf achten, dass kein Durchgangszimmer dabei ist. Am besten schon vor der Besichtigung fragen, falls das aus der Wohnungsanzeige nicht klar hervorgeht. Durchgangszimmer sind ein No-go für WGs.

3 FÜR 2: Der Wohnzimmer-Luxus

Wer Glück und/oder das nötige Kleingeld hat, kann sich ein Extra-Wohnzimmer leisten: Bei zwei Personen in einer 3 ZKDB bekommt also jeder ein Zimmer und ein Zimmer wird zum gemeinsamen Wohnzimmer.

Gut zu wissen. Manchmal bietet sich ein Durchgangszimmer als gemeinsames Wohnzimmer an. Doch Vorsicht: Derjenige, dessen persönliches Zimmer dahinter liegt, hat natürlich Pech, wenn der andere noch bis spät in die Nacht Fernsehen schaut. Denn es gibt keinen Flur, der die Geräusche dämpfen könnte.

Zusammen oder alleine – ihr habt die Wahl

Das macht man gemeinsam. Natürlich kochen und essen in der Küche, aber auch Fernsehgucken, Musikhören etc. im gemeinsamen Wohnzimmer.

Das macht man getrennt. Arbeiten und schlafen.

Achtung Falle. Wohin mit den Freunden: ins Wohnzimmer oder ins eigene Zimmer? Das muss vorher geklärt werden. Denn willst du einfach nur in Ruhe Netflix schauen, dein WG-Bewohner hat aber zwei Freunde zum Fußballgucken eingeladen, gibt es Probleme. Eine mögliche Regelung: Die Küche ist für Freunde ok, das Wohnzimmer aber tabu – außer zu besonderen Gelegenheiten wie dem Rudelgucken bei Meisterschaften. Dann aber mit Ansage!

Wer bekommt welches Zimmer?

Mietet man nicht ein einzelnes WG-Zimmer, sondern gemeinsam eine Wohnung, stellt sich natürlich die Frage, wer welches Zimmer bekommt. Leider ist es so, dass es meist ein schöneres und ein weniger schönes gibt – ob das nun die Größe, die Ausstattung oder die Lage betrifft.

Es gibt wenig objektive Kriterien, anhand derer man die Zimmer verteilen kann. Eines ist das Geld: Wer das größere Zimmer hat, bezahlt natürlich auch mehr. Vielleicht ist der andere dann ja gerne bereit, für etwas weniger Geld das unattraktivere Zimmer zu nehmen.

Ansonsten kann man noch überlegen, ob derjenige, der früher raus muss, das Zimmer nimmt, das näher am Bad und an der Küche liegt, um den anderen morgens nicht zu stören. Aber das war es dann auch schon an echten Argumenten. Im Zweifel hilft nur: losen. Oder ein Tauschgeschäft machen: Wenn der eine das schönere Zimmer bekommt, darf der andere die Kücheneinrichtung bestimmen.

Wie teilt man was in der WG auf?

Zu den größten WG-Aufregern gehört zweifellos das Thema „Putzen“. In den meisten WGs wird deshalb ein Putzplan gemacht, an den sich natürlich jeder zu halten hat. Ganz so eng sollte man das Thema „Sauberkeit“ in einer WG aber nicht sehen: Manchmal vergisst man halt einen Teller in der Spüle, weil man mit den Gedanken einfach woanders war.

Zuhause hat Mama den noch klaglos weggeräumt – und man hat gar nicht darüber nachgedacht. In einer WG allerdings wird der andere das nicht machen, sondern einen darauf hinweisen, völlig zu Recht natürlich. Trotzdem ist es kein Drama, auch mal Sachen von Mitbewohnern wegzuräumen, wenn das nicht zur Regel wird.

Zweiter Mega-Aufreger: „Selbstbedienung“ am Kühlschrank. In den meisten WGs kauft jeder für sich ein. Es gibt also „meine“ und „deine“ Lebensmittel im Kühlschrank. Und wenn man sich abends auf seinen Lieblingsjoghurt gefreut, der andere den aber weggefuttert hat, können schnell die Sicherungen durchbrennen.

Deshalb sollte man Lebensmittel bzw. Borde im Kühlschrank gut kennzeichnen. Und natürlich gilt: Wenn man sich nicht sicher ist, ob einem das eine oder andere Lebensmittel gehört, lieber die Finger davonlassen und erst nachfragen!

Pro und Contra

Die einen wollen das „Hotel Mama“ am liebsten heute als morgen verlassen, die anderen  lassen es sich in ihrem Kinderzimmer auch nach der Schule noch gut gehen. Drei Innenansichten von Schulabgängern …

Hannah, 18 Jahre

Eigentlich wollte ich mit meinem Freund in eine WG ziehen. Wir haben beide eine Ausbildungsstelle in Dortmund, da hätte es Sinn gemacht, sich eine Wohnung zu teilen – und die ganzen Kosten, die damit verbunden sind. Wir haben uns dann aber dagegen entschieden. Irgendwie hätten wir uns dann vielleicht schnell gefühlt wie ein altes Ehepaar.

Er wohnt weiter bei seinen Eltern. Ich habe ein WG-Zimmer gefunden, das ich mit meinem Ausbildungsgehalt auch gut bezahlen kann. Wir sind zu drei Mädels. Jede hat ihren Freiraum, das ist gut. Aber jede kann ihr Zimmer so gestalten, wie sie es mag. Und ich lebe da meinen Mädchentraum: mit viel Rosa. Gut, dass ich das mit niemandem abstimmen musste …

Dennis, 19 Jahre

Ganz ehrlich: Ich habe viele Hobbys, bin viel unterwegs, war sogar schon mal ein ganzes Jahr in den USA – aber wenn ich zuhause bin, ist meine Mutter irgendwie immer um mich herum. Ich habe alle Freiheiten, aber trotzdem hat jemand ein Auge auf mich. Da will ich raus. Nach der Schule ist für mich nur eine eigene Bude infrage gekommen – obwohl ich natürlich ganz auch ganz bequem zuhause hätte wohnen bleiben können.

Die Uni ist nur ein paar Zugminuten weg. Aber ich hätte dann nie das Gefühl gehabt, auf eigenen Füßen zu stehen. Mir kommt es nicht darauf an, jeden Abend Party zu machen – bei einem dualen Studium wie bei mir ist das vom Arbeitspensum her gar nicht möglich. Aber ich wollte wissen, wie es ist, abends nach Hause zu kommen und sich das Essen selbst zu machen, sich selbst zu organisieren, alles selbst zu entscheiden. Und ich muss sagen: Das ist richtig gut!

Moritz, 18 Jahre

Ganz ehrlich: Mir geht es zuhause doch gut. Ich verstehe mich mit meinen Eltern, sie lassen mir meine Ruhe, finanzieren mir ein Mofa, mit dem ich zur Ausbildungsstelle fahren kann. Eine eigene Wohnung, die brauche ich (noch) nicht. Da kann ich mein Geld besser für etwas anderes verwenden. Gut ist, dass ich zuhause fürs Essen nichts abgeben muss.

So habe ich mein komplettes Geld für mich. Allerdings beteilige ich mich – wie in einer WG – mehr an den Hausarbeiten als früher. Ich räume auf, bringe den Müll weg, wasche und bügele, koche auch mal. Das sind alles Qualitäten, die ich brauche, wenn ich alleine wohnen will – und ich bin froh, dass ich da in den nächsten drei Jahren zuhause noch ein wenig in die „Lehre“ gehen kann.

Dieser Artikel erschien zuerst im „Treffer“, dem Ausbildungsmagazin der Ruhr Nachrichten.“