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Ein Jahr als Au-Pair nach Frankreich oder gleich mit dem Rucksack durch Australien? Viele Schülerinnen und Schüler träumen von einem „Gap Year“. Für wen es sich eignet, was es bringt.

Gap Year: ein absoluter Trend

„Gap“ heißt übersetzt „Lücke“. Mit dem „Gap Year“ überbrückt man also einen Zeitraum, in dem man (eigentlich) nichts zu tun hat. In Großbritannien und Dänemark hat eine Auszeit nach der Schule eine lange Tradition. Zeitweise begannen dort nur ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler direkt nach der Schule eine Ausbildung oder studierten. Der Rest machte ein Gap-Year.

Was du mitnimmst:

Ein „Gap Year“ ist in der Regel kein Urlaub. Vielmehr arbeitest du als Au-Pair oder im Freiwilligendienst (beides Klassiker!) oder du reist und arbeitest („Work & Travel“). In jedem Fall bist du auf dich alleine gestellt und musst dich in einem fremden Land auf viele neue Herausforderungen einstellen, neue Freunde finden, mit deinem Geld haushalten etc.

Das alles ist eine gute Schule für die anschließende Ausbildung oder das Studium. Auch bei potenziellen Arbeitgebern kommt Auslandserfahrung gut an. Das „Gap Year“ sollte Bestandteil deines Lebenslaufs sein und wird sicher auch im Vorstellungsgespräch zur Sprache kommen.

Du musst kein ganzes Jahr weg sein

Deine Chance, eine Ausbildung zu bekommen, wird sicher nicht schlechter. In jedem Fall solltest du deinen Aufenthalt aber so gut timen, dass du nach deiner Rückkehr nicht noch eine unfreiwillige Ehrenrunde drehst. Denn: Ein „Gap Year“ muss nicht zwangsläufig ein ganzes Jahr umfassen, sondern du kannst den Zeitraum so festlegen, wie es dir passt.

Das heißt: Wenn du direkt nach dem Schulabschluss im Mai oder Juni eines Jahres weggehst, dann solltest du im Frühjahr des nächsten Jahres wieder zurück sein, wenn du in dem Jahr noch eine Ausbildung beginnen willst. Denn später sind die Plätze alle besetzt. Willst du studieren, kannst du dir etwas mehr Zeit lassen: Bewerbungsschluss an den Unis ist Mitte Juli.

Was du durch das Gap Year verpasst oder auch nicht:

Hand aufs Herz: Wie entsteht eigentlich so eine Lücke, die mit einen „Gap Year“ gefüllt werden soll? Bewusst, weil man sich vorgenommen hat, nach der Schule neue Erfahrungen zu sammeln? Oder aus der Not heraus, weil man sich erstens nicht um eine Ausbildung oder ein Studium gekümmert hat, oder zweitens, weil man keine Ahnung hat, in welche Richtung man gehen soll?

Grundsätzlich gilt: Ein „Gap Year“ macht einen ganz sicher nicht dümmer, aber die Entscheidung für einen Beruf nimmt es einem nicht ab. Du wirst sehen: Sobald du zurück bist, stehst du vor den gleichen Fragen. Deshalb ist es wichtig, sich vorab schon zu orientieren, damit man weiß, wohin man will und kann.

Übrigens: Wer nahtlos von der Schule in eine Ausbildung oder an die Uni wechselt, ist noch im „Lernmodus“. Die Schubkraft des letzten Schultags kann man nutzen, um voll durchzustarten. In der Ausbildung verdient man Geld, im Studium kann man das Studentenleben auskosten.

Gut zu wissen!

Immer mehr Unternehmen bieten ihren Auszubildenden die Möglichkeit, während der Ausbildung ein mehrwöchiges Praktikum im Ausland zu machen – manchmal an einem internationalen Standort des Unternehmens, manchmal bei Lieferanten oder Kunden. Denkbar sind auch längere Auslandsaufenthalte in Kooperation mit entsprechenden Einrichtungen oder in Verbindung mit Stipendien.

Das gilt nicht nur für größere, sondern auch für kleine Unternehmen. Nach dem Abschluss der Ausbildung kann man ebenfalls noch ein Jahr im Ausland absolvieren – entweder direkt nach der Prüfung oder nach ein, zwei Jahren, wenn man im Job Fuß gefasst hat. Besonders in begehrten Jobs halten dir die Arbeitgeber gerne einen Platz frei, wenn du dich im Betrieb bewährt hast. Das heißt: Du kannst auch später noch ohne jedes Risiko auf Zeit aussteigen!

Dieser Artikel erschien zuerst im „Treffer“, dem Ausbildungsmagazin der Ruhr Nachrichten.“