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Strenge Hierarchien und Chefs mit Anzug und Krawatte, Arbeit auf Ansage und Dienst nach Vorschrift: Dieses Bild der Arbeitswelt haben heute noch viele Menschen, die dich bei deiner Berufswahl begleiten, in ihrem Kopf. Doch die Realität sieht inzwischen anders aus – wenn auch noch nicht überall so stylisch wie auf unseren Fotos in den Büros von Google

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Sessel und Sofa statt Stuhl und (Konferenz-)Tisch: Mit einer solchen Arbeitsumgebung will Google seine Mitarbeiter inspirieren und motivieren. Foto: Treffer-Magazin

Soziale Netzwerke und Games, Tablets und Smartphones: Was du heute schon in deiner Freizeit und in der Schule nutzt, ist auch am Arbeitsplatz gang und gäbe. Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren erhebliche Auswirkungen auf die sogenannte „Arbeitskultur“ gehabt – also auf die Art und Weise, wie Menschen zusammenarbeiten. Vieles ist durch die Digitalisierung lockerer geworden, transparenter, flexibler. Das gilt sowohl für Jobs in Büros als auch in der Produktion, für die Industrie und Banken, für Gesundheitsberufe und Jobs im Handwerk.

So arbeitet man heute…

... im Open-Space-Büro

Die Idee eines Großraumbüros, in dem viele Kollegen zusammensitzen und besser miteinander kommunizieren als in abgeschotteten Einzelbüros, kam bereits Ende der 1960er-Jahre auf und wurde damals auch umgesetzt. Schaut man sich Fotos von früher an, sitzen die Mitarbeiter dort allerdings oft wie Hühner auf der Stange. Heute schaffen (nicht nur) große Unternehmen jedoch Arbeitsumgebungen, in denen du besser kreativ sein kannst – mit viel offenem Raum zum Durchatmen, daher auch der Name: Open-Space-Büro.

… in gemütlichen Sitzecken

Gerade wenn du im Großraumbüro arbeitest, ist es unverzichtbar, dass du dich mit einem Kollegen auch mal zurückziehen kannst. Dazu dienen gemütliche Sitzecken. Doch Vorsicht: Dort sollt ihr nicht chillen, sondern arbeiten und auf neue Ideen kommen. Das geht aber natürlich besser, wenn Seele und Beine baumeln …

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Sogar auf der Treppe gibt’s bei Google Sitz- und Besprechungsgelegenheiten. Foto: Treffer-Magazin

… in munteren Meetings

Es gibt Projekte in Unternehmen, in die verschiedene Abteilungen einbezogen sind. Das heißt: Man sieht die Projektmitglieder nicht jeden Tag und muss sich zu Meetings daher verabreden. Bei solchen Arbeitstreffen geht es heute lebhafter zu als früher. Jeder darf und soll seine Meinung äußern. Jeder erhält eine Aufgabe, für die er auch verantwortlich ist.

… mit modernen Kommunikationsmitteln

In (fast) jedem Beruf bist du heute immer online und mobil vernetzt – ob mit deinen Kollegen, mit deinen Vorgesetzten oder sogar mit Maschinen, z. B. Robotern. Das bedeutet unterm Strich: weniger Standards und Routinen, mehr Kommunikation und mehr Verantwortung, aber auch mehr Spaß! Beispiel: Wenn du als Landschaftsgärtner beim Kunden auf der Baustelle arbeitest und das Material ausgeht, dann kannst du dich per Handy sofort mit deinem Chef austauschen, Nachschub ordern etc. Das war früher so nicht möglich: Du musstest warten, bis ein Meister auf der Baustelle erschien und dir sagte, was zu tun ist.

… in gemischten Teams

Wurden früher Teams zusammengestellt, achtete man darauf, dass möglichst alle gut zueinander passen, sprich: auf einer Wellenlänge und sich ähnlich waren. Heute geht es jedoch um „Diversity“, also um Vielfalt. Männer und Frauen sollen im gleichen Verhältnis repräsentiert, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen oder jeden Alters beteiligt sein. Denn man weiß inzwischen: Je unterschiedlicher die Menschen sind bzw. je mehr unterschiedliche Ideen sie in ein Projekt einfließen lassen, umso besser ist das für das Ergebnis!

… auf Augenhöhe

Wer zum Chef will, muss erstmal durchs Vorzimmer – an der Tür des Vorgesetzten gibt es nicht mal eine Klinke. Das ist die „alte Schule“, die in manchen Unternehmen auch sicher noch gelebt wird. Aber immer öfter begegnet man sich auf Augenhöhe. Das fängt bei der Kleidung an (viele Vorgesetzte tragen heute keine Krawatte mehr, um sich nicht länger abzugrenzen) und hört beim „Du“ auf. Tatsache ist: Es gibt Unternehmen, bei denen die Fach- und Personalverantwortlichen die Bewerberinnen und Bewerber um einen Ausbildungsplatz schon im Assessment Center duzen – und im Job dann sowieso.

Agiles Arbeiten: Was ist denn das?

Googelt man Synonyme zum Stichwort „agil“, stehen da Begriffe wie „beweglich“ oder „wendig“, aber auch „munter“ und „lebhaft“. In der Wirtschaft bezeichnet man mit dem Schlagwort Unternehmen, die besonders flexibel sind, vorausschauend handeln und immer wieder die Initiative ergreifen. Damit das funktioniert, müssen die Menschen, die dort arbeiten, auch genauso arbeiten.

Beispiel: Im Unternehmen gibt es eine Arbeitsgruppe, die das schnellste Auto der Welt entwickeln und für alle Menschen verfügbar machen will. Die Gruppe ist mit der Aufgabe halb durch, da führt die Politik ein Tempolimit ein. Da wäre es ja blöd, wenn man das Projekt jetzt noch durchziehen würde – auch wenn dadurch das einmal verabredete Ziel nicht erreicht wird. Man muss vielmehr schauen, wie man das Projekt jetzt so dreht, dass es für das Unternehmen doch noch erfolgreich werden kann. Grundsätzlich schaut man beim agilen Arbeiten mehr nach links und rechts als geradeaus und passt seine Ziele regelmäßig an, wenn es neue Entwicklungen gibt.

Thema Meeting: Was versteht man in diesem Zusammenhang unter…

einem „Owner“?

A. Das ist derjenige, der zu dem Meeting eingeladen hat und das Meeting führt.

B. Das ist der Chef der Abteilung, der alle begrüßt (und dann wieder geht).

C. Das ist der Eigentümer des Konferenzraums, mit dem man vorher den Termin für das Meeting abspricht.

Weißt du es? Die Auflösung steht unter dem Foto!

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Antwort A ist natürlich richtig – wobei wir nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass der Begriff in jedem Unternehmen geläufig ist … Foto: Treffer-Magazin

Dieser Artikel erschien zuerst im „Treffer“, dem Ausbildungsmagazin der Ruhr Nachrichten.